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angekündigt fand. Ich besah dasselbe ei» nige Tage zuvor mit meiner Frau — am Hellen Tage versteht sich. ES konnte also meinem bisherigen Freunde, den ich H. nenne, nicht unbekannt bleiben, daß ich Mitwerber zu diesem Hause war, um das er aber selbst buhlte. Ich hoste indeß, nicht nur deswegen, weil H. ein Haus harre, sondern auch in andern Hinsichten, an demselben keinen Gegner zu finden. Hierinn betrog ich mich, und dieser Umstand löste das Band unserer Freundschaft. Nun hofte ich, H. auf dem Wege zu finden, auf dem ich wandelte, weil er mir der geradeste ;cr feyn schien, nemlich auf dem Wege des öffentlichen Verstrich-; aber ich betrog mich noch einmal. H. war An» wald des abwesenden R., und leitete die Sache so ein, daß der Schwester R. das HauS um die Taxation überlassen wurde. Der Plan, der nun am Tage liegt, war leicht voraus zu erachten. H. wollte das HauS um einen wohlfeilen Preis acquiri-- ren, und die Tochter R. war das Mittel hierzu.
Der angekündigte Verstrich wurde also hintertrieben, und dem H. nachher das Haus um die Taxation, das ist : vielleicht tim 600 fi. geringer, als es in der Versteigerung gekommen feyn würde, überlassen. Diese Handlungsweise schien mir nun keineswegs in der Regel zu feyn, und ich war um so mehr darüber aufgebracht, da ich solche hier nimmermehr vermuthet hatte. Ich nahm daher dm Vorschlag deS S „ an den abwesenden R- zu schreiben, „ und demselben die Augen zu öfnen" ohne Bedenken an. Da S- in der Feder nicht geübt ist; sezte ich den Brief in dessen Nahmen selbst auf; jedoch in Gegenwart des S., dem id? selbigen auch vorkas, der ihn genehmigte, und selbst auf die Host trug. Ohnstreitig konnte und durfte ich wohl, gleichsam als Principal in meiner
eignen Sache, obgleich im Namen meines Mandatars, handeln, wie ssolches in hundert ähnlichen Fällen, und besonders bei Kaufhändeln auch geschieht Wer hierinn einFalsirm findet, den bitte ich, mich wenigstens, auf einem beliebigen Wege , zu belehren, was ein Falfum fty, damit ich in Zukunft wissen möge, Falfationen, die ich eben sonst nicht liebe, zu vermeiden.
Wenn nun auch übrigens jener Brief vielleicht einige Härte Ausdrücke enthielt, die mir der erste Eifer eingab; die jedoch fo hart nicht waren, als sie wahrscheinlich gewesen seyn würden , wenn S. den Brief selbst geschrieben hatte: so enthält er doch nach meiner Ueberzeugung, Wahrheit, und die Folge hat dies so sehr bestäitigt, daß ich noch jezt derselben Meinung bin. Gesezt aber auch, ich hätte mich in meinem Argwohn geirrt, so habe ich doch diesen Jrrthum mit einem sehr verehrlichen Fürstl. Collegium gemein gehabt, das aus den Umstände» eben fo wie id? urtheilre, und feine Maasregeln darnach nahm. Dieser Umstand winde also selbst einen Jrrthum von meiner Seite sehr entschuldigen ; den ich jedoch wieder gut zu machen bereit bin, so bald man mich davon überzeugt.
Da ich oben etwas von „ Widersachern" gesprochen habe: so mag eine kurze Erklärung hierüber hier noch ihren Platz finden. Ich meines Theils liebe und achte alle ehrliche rechtschaffene Leute, insofern ich sie als solche kenne. Hasse hingegen alle Schurken und Bösewichte von Herzen; verfolge sie auch, wenn Privat- oder Gemeinwohl mir das zu erfordern scheint. Selbst Untugenden an sonst braven Leuten sind mir, fo wie an mir selbst, zuwider, und id> werde es nie unterlassen, davon, im Fall ich es nöthig finde, die Wahrheit zu sagen. Daher mag man mein Betra-
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