Ausgabe 
26.11.1796
 
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Lieber

Oie Rinsviebpest urrs die V7othwendis- feit , durch frühzeitiges Schlagen und schleunige Absonderung den Fortgang derselben zu hemmen. Aus einem am 8- Junius 1796. zur Hoch - fürstl. Würzburgischen Regierung er­statteten Gutachten.

(Aus dem Reichs.Anzeiger ) Verfolg.

X. Man hat kein VorbeugunqS Mit­tel, es habe Namen wie es immer welle, durch welche man auch das gesundc-ste Stuck V>eh gegen diese Seuche unempfänglich ma­chen kann, wenn das Seuchengift einmal eingeschleppt worden. Eben so wenig ist

XL bisher eine zuverlässige Heilart ausaemitteltworden. Was durchgebrochen ist, hat sich durch seine eigene Lebenskraft erhalten Die Ursachen sind, der schnelle Verlauf der Krankheit (VIII.) wenn sie merkbar geworden , und dann , daß bei dem sichtbaren Erkranken des Viehes die VerdauungS . Werkzeuge schon unthatig find, die Assimilation des Genossenen auf- hore, und daher die gegebenen Arzneien ohne Wirkung bleiben. Wer

XU. an der Wahrheit des X unbXL Gefasten zweifelt, durchwandere einmal die Ortschaften, welche ihren R ndviehstand rum großen Theil verlohren haben; er lasse sich die öffentlich angepriesene, durch Ge- winnsucht beiqebrachte Heil - und Vorbeu- aungs - Mittel vorlegen, untersuche den rückständigen Viehstand, und spreche: ob es nicht raihsamer sey

a) allen Arznei-Gebrauch zu untersa- -en ; vM?gen

b) dem Einsch^eppen des Seuchengif- teS thätigst entgegen zu arbeiten; und

c) die Krankheit ,, wo sie einmal ist, zu unterdrücken zu suchen.

XIIL Nebst der Unzuverlässigkeit aller Arzneien gegen die Rindviehpest, ist noch dieses sehr bedenklich, daß der Viehbesitzer mit einem Rezept in der Hand, nicht nur sem übriges gesundes Vieh, sondern auch der Nachbarn Vieh der Gefahr zu erkran­ken, aussetze; indem er durch blindes Ver­trauen auf sein Mittel, die Absonderung verabsäumet, die Krankheit sich entwickeln und ansteckend werden laßt. S. HL und IV. UeberdleS muß

Xt V. ja doch ein vernünftiger Vieh- besitzer von seldsten einsehen, daß er mit einem Rezept nichts auertchten könne: denn anders verhaltet sich eine Krankheit in ih­rem Anfänge, anders in dem Fortgänge, und noch anders bei dem Ende: nur erfor­dert eine jede dieser Krankheits-Perioden ihre eiiwne Behandlung, aus diesen ver­schiedenen Behandlungen muß eine ange­messene Heilart bestehen, welche noch nicht ausgemiitelt worden, in den Händen der Vlkhbesitzer eben so schädlich und unaus­führbar ist, als ein Rezept: denn bei ei­ner Krankheit kommen so 'viele unwesent­liche Sachen vor, daß der Unkundige nicht weiß, wo der Anfang oder das Ende der Krankheit ist, mit welchen Mitteln er die Heilart anfangen oder endigen müsse. Der endliche Schaden davon ist, daß das Seu- chengift unterhalten, und die Ansteckung verbreitet werde.

XV. Das ansteckende Gift wird auf das gesunde Vieh übertragen durch die Ein- impfung, durch unmittelbare Berührung des kranken Viehes, durch dessen Auedün- stunq; wenn kranke und gesunde Stücke ei- nerlei Stall. einerlciWarter haben, wenn die- feiben Geräthschaften, als Trinkgeschirre rc. bei dem kranken unb gefunden Vieh gebraucht werden. Weshalben selten ein Stück von dieser Krankheit frei bleibt, welches mit er. krankten oder umgestandenen in einem Stalle gestanden, oder ifi einer Heerde ge- weidet hat.