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Etwas über den Akazienbüttml
Wie ist in kurzer Zeit ein ganzes Land mit Akazienbäumen anzufüllen? Die Regierung müßte den Unterthemen im Lande von Jahr zu Jahr Akaziensaamen unent- geldlich in die Hande geben. Wenn im Herbste von den bereits vorräthigen Bäumen der Saame zusammengebracht und vertheilet würde, so könnten Millionen junge Baume im nächsten Jahre darauf zum Vorschein kommen, und binnen 3 Jahren aus den Baumschulen auf ihre Standörter hin verpflanzt werden. Eö kommt sodann ferner nur auf die Gerichts- odrigkeiten und nach ihnen auf gute Schulzen oder Richter in den Dörfern an, um auf Weideplätzen oder leeren Plätzen der Dorfwaldungen so viel Bäume geschicklich «uszupflanzen, als sich nach Beschaffenheit de« Lokals anbringen lassen. Man hat von diesen Baumen auf den Viehtriften und Weideplätzen weniger Graöabgang, als von allen andern zu besorgen; sie machen wegen ihres zarten und gar nicht breiten Laubes den wenigsten Schatten, und also die wenigste Aussömmerung Wir haben es öfters erlebet, daß unsere Ellern, Weiden und dergleichen Bäume so viel Raupen gehabt haben, daß ihr Auswurf dem darunter kvridenden Viehe böse Mäuler verursacht , und ihnen das Gras ungesund und ekelhaft gemacht Hal. Die Akazien aber sind von allen Insekten frei, daß also un- ter ihnen vom Auswurfe der Raupen niemals eine ungesunde Viehweide entstehen kann.
Und da es ein Hauptgegenstand unserer Holzkultur im Lande seyn und bleiben muß , daß wir bei dem bekannten Abgänge der Eichen auf die Vermehrung derselben, als unsere besten Bau- und Nuz- dolzes, mit allem Eifer Bedacht nehmen, so könnten auch unter den Akazienpflan- zungen die jungen Eichen Plaz finden, die
deshalb so langsam fortwüchsen, weil sie in manchen Jahren ganz kahl von Raupen und Käfern ^bgefressen werden. Es ist sehr zu glauben', daß sie in der Gesellschaft eines Baums, dessen Laub den Raupen und Käfern gänzlich zuwider und durchaus nicht anlockend ist, auch weniger, vielleicht gar nicht von solchen Insekten heimgesucht werden dürften.
Wenn aber nicht aller Orten der gemeine Landmann geneigt oder geschickt genug ist, Baumschulen von Akazienbäumen anzulegen oder zu unterhalten, so würden sich doch ohne Zweifel Prediger und Schulmeister auf dem Lande dazu willig finden, Saat - und Baumschulen anzulegen, und sich dazu von den.Regierungen aufmuntern lassen, um die von ihnen in ihren Garten angezvgenen Akazienbäume ihren Gemein-^ den herzugeben. Da der gemeine Mann gern alle baare Geldauögaben zu vermeiden sucht, so ließe e« sich wohl dahin ver- Mitteln, daß solchen Predigern undSchul- meistern, durch einen mehrern Antheil an der Abholzung der auf Kommunenplätzeu ausgepflanzten Akazienbäume, ihr Fleiß und Mühe vergütet würde.
Die Besorgniß, daß die Akazien un» sere harten Winter nicht aushalren sonnen, fallt gänzlich hinweg, da wir bey unfern Nachbarn dergleichen Baume genug sehen, die mehr als 50 Jahre alt sind, und Co gut als unsere einheimischen Bäume der harten Winter-kälte widerstanden haben. Leiden sie ja vom Froste, so leiden sie nicht eher und mehr, als alle unsere übrigen Baume. Diese leiden nur alsdann , wenn sie entweder im Herbste, da sie noch, zu vollsaftig sind, von frühen starken Frösten Überfällen werden, oder im Frühjahre, wenn spate harte Fröste kommen, nachdem der Saft bereits wieder in die Baume getreten ist. Im letztern Falle aber ist der Äkazienbaum gar


