Nachricht Mit den 1718. bei Giessen gefundenen Todenurnen.
Als im Jahr 1718. der Professor der Mathematik und nachmalige Supe, rintendent Liebknecht mit seinen Zuhö- rern eine geometrische Excursion machte, so machte er diese auf viele kleine Hügel, welche in dem jetzigen Philofophenwald in einer gewissen Reihe und Ordnung zu sehen waren, aufmerksam. Er bemerkte, daß man schon an mehreren Oertern solche gefunden hatte und daß sie wahrschein- Itd) Todenhügel aus den ältesten Zeiten wären. Die Aufmerksamkeit der Stu« denten wurde hierauf sehr gespannt und fie gruben einen und hernach mehrere Hügel auf, und sie fanden in iedem etne Urne. Diese Urnen waren ganz roh und ohne Kunst auS dem Wurststein (den man noch in der Gegend des Triebs häufig findet) ausgeardeitet und in den« selben befand sich Asche, Ueberbleibsel Don Zähnen und andern Knochen, und Metavstückchen, welche Pseilfmnen oder anderes Waffengeräkhe feyn Mochten. Die Sache erregte bald großes Aufsehen, und es wurden Soldaten eommandirt, welche alle Hügel in der Gegend auf« graben mußten. Man fand aber nichts anderes, als die benannten Sachen.
Der damalige Vicekanzker Weber hielt sie für Römische Urnen. Liebknecht * aber zeigte, welchem auch der Professor Lyrmann deystimmte, daß es Urnen der Farren oder Tenctrer, oder anderer deutschen Nationen seyn müßten, krtz« lerer zog die Stelle aus dem Tacirus, ( Annsl. X l, 27.) auf eine artige Weise hierher: IWer dem Kayser Claudius hätten die Catten die Römer in Gallien angegriffen und waren mit vieler Deute zurückgekehrt Ais sie bey dieser Beute schwelgten und schliefen, hätten die Römer sie über satten, viele gefangen genoiy«
men und viele getöbtek. Zum Denkmal einer so schimpflichen Niederlage und zum warnenden Beyspiel für die Nachkommen hätten die Catten, welche diesseit der Lahn wohnten, ihren erschlagenen Mitbrüdern, wider ihre sonstige Ge« wohnheit, öffentliche Grabhügel errich, tet.
Noch iezt sind zwei von diesen Urnen in dem hiesigen Zeughaus zu sehen.
Hülfsmittel für Ertrunkene.
( BeschluS.)
6) DaS Gesicht deS Kranken, und besonders die Schläfe, reibe man wah, rend diesen Verrichtungen mit warmen Wein, Essig, ober auch wohlriechendem Spiritus, halte ihm auch flüchtigen Salmiakgeist, oder flüchtigen Hirsch, horngeist, und wenn nichts anders bei der Hand ist , blos scharfen Essig oder starken Brandtewein unter die Rase. Man blase ihm ferner von Zeit zu Zeit Schnupftabak in solche, oder ein Niese- pulver aus Violenwurz, Majoran, Pfeffer und Nieswurz»!, jedoch nur in kleinen Priesen und nicht zu heftig; oder man mache Röllchen von Papier, befeuchte sie mit flüchtigem Salmiakgeist, und bringe solche behutsam und etwas hoch in beide Nafelöchrr.
?) Mit diesen abwechselnden Bemü« Hungen muß man während einigen Stunden nicht ermüden, unterdessen kann bei sehr kalter Jahreszeit das ZimMer, wor» innen der Kranke liegt, nach und nach, doch nur ganz mäßig, warm gemacht werden. Nicht nur unnütze, sondern auch sogar gefährlich würde es aberseyn, demselben so lange, als er noch keine kebenszeichen von sich girbt, Fruchtig, keilen «inflößenzu wollen. Selbsten als. dang noch, wann rr schon wieder zu sich i»


