Ausgabe 
23.5.1795
 
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lieber Gespensrerftrrcht und Gcspen- fiererfcheinungen.

Verfolg.

Ich saß, so schreibt mir ein Predi, Her, vor einiger Zeit am späten Abend ganz ruhig mit den Meinigen, als Freund M. an der Hausthür pochte und einge, jassen zu werden bat, weil er kaum mehr auf den Beinen stehen könne. Blaß wie der Tod trat erms Zimmer und vermogte nicht ein deutliches Wort oder eine ver» stündliche Rede heroorzuvringen. AlS er endlich wieder zu sich selbst gekommen war, erzählte er mit Zittern : sein bishe- riger frecher Unglaube an Gespenster scy nun erschüttert, denn er habe bei seiner Rückkehr aus W. mit seinen leiblichen Augen ein Gespenst gesehen. In einem Hohlwege sey es ohne Unterlaß ihm zur Seite gegangen; er habe nicht gewagt, umher zu blicken, der Angstschweiß sey ihm ausgebrochen, mir bebendem Knie sey er weiter geschritten, und erst, da tr Ins freie Feld gekommen, habe es ihn verlassen. Da mein Freund, der, wie Sie wessen , ehedem als Officier unter den Nassauischen Truppen gedient hakte, meiner Meinung nach, nicht zu den Furchtsamen gehörte, auch übrigens ein ziemlich aufgeklärter Mann war, so ge- rieth ich anfangs selbst in einige Verle, genheit. Nie aber hätte ich mir doch vorgestellt, daß eine Täuschung der Art, als dir Folge erweisen wird, ihn so sehr aus der Fassung gebracht Haben würde. Um nicht zu weitläufig zu werden, sage ich nur kurz, daß ich, um dem Dinge auf die Spur zu kommen, ihn «Eich, ungeachtet des hartnäckigen Widersinn, des, den ich von Seircn seiner undirrei* nrr Familie zu bekämpfen hatte, dahin brachte, in meiner Gesellschaft nochnn- -mal nach dem schrecklichen Hohlwege zu Ochrn. Wir «raten-, M. mrt sichtbarer

Angst, ich voll Erwarten! der kommen­den Dinge, unfern Marsch an. Der Mond lächelte freundlich auf uns herab. Schon durch diesen Umstand ward ich gleich auf eine Vermutbung gebracht, die ich bald als sehr gegründet sand. Wir näherten uns der fatalen Stelle. Ich ging rasch voran , und M. mußte eben so rasch folgen; roir traten in den Hohl­weg/ und siehe da! der Berg qrbahr eine Maus'! Das ganze Schreckenbild war nichts mehr und nichts weniger ge­wesen, als der eigne Schatten meines Freundes, den der Mond an die eine Seite des Hohlweges geworfen hatte. M wußte in der Thar nicht, ob er sich mehr verwundern oderschämen sollte, al6 ich ihm demonstrirte, daß er sich vor einem Nichts gefürchtet habe.

So kann die Furcht, verbunden mit der erhitzten Einbildungskraft, Dinge, die an und für sich ganz in den natur, lichsten Begebenheiten ihren Grund ha. den, zu Gegenständen der sonderbar, sten und fürchterlichste« Erscheinungen machen-

Ich ward, so erzählt K. ein Arjr, zu einem Todtkranken in einem be­nachbarten Dorfe gerufen, und da die Gefahr groß vorgesteür wurde, so ritt ich noch spät dahin. Der Mond schien hell, ich war der Gegend kundig, reiste allein , mußte aber ein mir übrigens ganz bekanntes Gehölz passiren Kaum war ich hinein, so stutzte mein Pferd; ich spornte, aber vergebens. Jch lenkrealso um und ritt durch einen Nebenweg auf die ordentliche Straße. Aufejnmalstand mein Pferd wieder. Himmel, was sah ich? Einen Todten, mit einem mit Blut und Beulen bedeckten Gesichte in einem Sarge unter einer Eiche Nun fing meine Einbildungskraft an zu wirken, ich glaubte zu sehen, wie sich der Tvdte auftichteke, wie