Anbau der Brennesiel, als eines vor* rheilhaften Futterkrantes.

Jedem vernünftigen Landwirthemuß, schon seines eigenen Vortheils wegen/ sehr viel daran gelegen styn, daß besonders sein Vieh, weiches ihm sein Brod verdie­nen hilft/ immer so viel als möglich ge­sundes Futter bekomme , denn wie kann es sonst die Arbeit/ die man von ihm ver­langt/ und die wirklich oft schwer genug ist, gehörig verrichten, ohne sich zu über­arbeiten, rind dadurch krank und früher, als sonst geschehen seyn würde , untaug­lich zum Dienst zu werden. 06er wie kann es den sonst von ihm verhofften Nu­tzen geben, wenn man die erste Sorge, die Sorge deö Futterns vergißt?

Wenn also jemand auch nur die ge­ringste Kleinigkeit erfahrt, wodurch er be­lehrt wird, sein Vieh auf eine vortbeil- hafkere, wohlfeilere und leichtere Art gut zu futtern, so muß ihm daS Immer sehr lieb und wichtig seyn, er muß darauf auf­merksam werde«., und Nutz»« aus jedem solchen Vorschläge zu ziehen suchen.

Es braucht dies übrigens nicht immer etwas Neues zu seyn, was vorgeschlagen wird, der Landmann hat ja so gewöhnlich einen. Scheu vor. allen , wovon er nocy nichts gehört hat, wenn es nur richtig und noch nicht allgemein bekannt.ist, welcher Fall denn auch d,idem, was ich jezt anfüh. rcn will, eintritt.

ES betrifft das Futtern des Rind-. Viehes, wobei die Landwirthe gewöhnlich

*n der Zeit von Ostern bis Pfingsten, in^rlfgenheit zm kommen psiegen, und geravr »dieser will ich, wenigstens bei ei­nigen, für die Folge abzuhelfen suchen.

Von Pfingsten bis km August;, sind Wicken, Gras , Klee und so yoei.tcr genug da, um das Rindvieh damit futtern zu können. Dann braucht man Krautbiätter

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bis Michaelis dazu , und nur bis es im November etwa zu frieren anfangt noch Kraut und Strunke t Den llederrest von diesen fahrt man dann vom Felde nach Hause, und futtert damit so lange man noch etwas hast, wobei oft Weihnachten heran kommt. Ist dies hierauf aber alles aufgezehrt, so' nimmt man weiße große Ruben und Möhren; sind auch diese' ver­futtert, so nimmf man rothe Rüben oder Kohlrüben, die auch ein sehr gutes Futter abgeben. Es ist qgn.z klug gehandelt, daß man dieses Winterfulter, die rothe Rü­ben und Kohlrüben, bw zulezt laßt, denn diese beiden Produkte halten sich am läng­sten. 3

Gegen Ostern aber pflegt nun dies alles zu Ende zu gehen, und man weiß kein Fut­ter mehr. Grünes frisches hatte man sehr gerne, aber woher?

r Arme Leute die nur ein oder ein paar Stück Rindvieh halten, suchen nun oft mit der größten Emsigkeit an tfn Zähnen und Manern die Brennesseln auf, "die am ersten zum Vorscheine kommen. Sie tbun daran gar' nicht Unrecht , denn die Brenneffeln geben em sehr gesundes Futter fürs Rindvieh ab. Hatten sie keinen Nu­tzen , warum ließ sie denn Gott auch wohl so häufig und beinahe allönthalben wach-

Doch aber reichen sie zum alleinigen Futter gewöhnlich nicht hin , deswegen mischt man sie unter den Rest des Winter- futters von Stroh, lHeu und so weiter, was man noch hat, nachdem man sie vor­her klein gehackt oder gesiampft hat.

Gewiß wäre es aber sehr nützlich, diese Brenjnesseln häufiger anzupfianzen , da sie so tvinig Pflege brauchen, und dem Viel­em gesundes und angenehmes Futter ge­ben , 'und da sie aud) nur etwa 2Zoll dick CLdeibrauchen, und daher beinah an ollen steinig-