Ausgabe 
3.10.1795
 
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Chronik ver Stadt Giesse»,. Aus dem sechzehnten Jahrhundert.

Verfolg.

1607. den 2;ten August wurde der Grundstein zu dem neuen Kolkeggebäude gelegt/ auf der rechten Seite im Namen des Landgrafen bon de,n Fürst!. Kanzler ©trapp von Gelnhaussen , auf der iin. ken im Namen der Academie von Q. An- thoni, Rector und Kanzler. Die Mau» ern hatten lgoSchuh Länge und 34 Sch. Br eit«/ und schon im folgenden Jahr war der Bau vollendet. Zugleich wurdeeine Sternwarte angelegt, und das Gebäude mir einer schwebenden Brücke mit dem alten Schloß ( der jetziger» Kanzlei) ver. ^nigt/ welche Brüche im siebenjährigen Krieg 1759 von den Franzosen abgebro. chen wurde. _ Lieber dem Eingang wur» den das Hessische und Brandenburgische Wappen in Stein ausgebauen und eine Anschrift gesetzt, welch? im Deutschen also lautet:

//Zur Ehre des unsterblichen Gottes, jum Nutzen des Vaterlands und der ganzen Christenheit hak diese bestän. dige Universität Giessen im Jahr Christi 1605. mit unermeßlichen Ko» sten gegründet, aufgerichket undbe» gabt der beste Fürst, Ludwig Land» graf zu Hessrnic. der gütigste Vater desVaterlandS, unohat diesen Sitz der Frömmigkeit und Tugend im Jahr 1607. , sogleich nach Erlan­gung der Kaiserlichen Privilegien, im August zu allererst angelegt, wozu das erste Fundament gegraben wurde den 15hfl, der erste Balken aufge- legt deir 2 atm, und des erste Stein aufgemauert dtn rzsten; wobestän. dig wahre Gottesfurcht, das Stu­dium der Rechte und Arzneikunst, und gesunde Philosophie eiugeflößt wird. Wer du bist, der du diese un»

schätzbaren Güter geniesest, sey dank, da/ gegen Gott, den Kaiser und den Fürsten, und entweihe niemals die­ses Haus."

i6n. hielt ein hier Studierender, Na» Mens Auchrcr, eine Lobrede auf Giessen in französischer Sprach« , tporinn der hier gewachsene Wein sehr gerühmt wird. ( Harangue francoife de la Louange de 1 Academie de Gießen, par lean Pierre A uchter. ) 1613. sagt Dieterich in seiner Beichreidung von Giessen (inüir. orawr.) daß viele Tuchmacher hier lebten und daS Giesser Tuch auswärts berühmt sei).

i6i i. den ersten Mai war ein so har» ter Fcest, daß das Korn mit den Wein» stoc. en und allen Baumfrüchken erfror Selbst das Gras war, als wenn eS mit Fener gesengt wäre. Dies verursachte eine große Theurüng, daß das Korn 4 fl- und der Wachen 5 fl. galt. Menschen und Vreh litten großen Hunger. In der Erndte gab es eine solche Menge Mäuse, daß das, was vom Frost übrig war/ von den Mäusen verzehrt wurde.

1612. war die große Tbeurung. Ein Achtel Korn galt 5 1/2 fl., auch wohl 6 und der Waitzen 7. Dies währte von Ostern dis in die Erndke. Nach der Erndte biS in das 1613. Jahr galt das Korn 4 fl-/ der Waitzcn 5 fl. Den i8ten Dec. ,st ein solcher Wind gewesen, daß er an Bäuen und Dächern, in Gärten und Wal. dern an Bäumen großen Schaben gekhan, warf etliche mit Wurzeln aus der Erden, daß man allein in dem Gleiberger Wald viertausend ganze Bäume gefunden hat, ohne die mitten entzwei und sonsten be, schädigt waren, warf auch einem Fuhr, mann seinen Wagen in der Lanaenstrhn auf dem gleichen um.

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