Ausgabe 
2.5.1795
 
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Ueber Gefpenfferfurcht und Gespeu- stererschemuttgen.

Diejenigen scheinen vollkommen Recht ZU Haven, Welche behaupten, daß, so wett wir auch feit zwanzig bis dreißig Jahren in der Aufklärung fortgerückt sind, so viel auch grrhan ist, um alte eingewurzelte rhörrchte Meinungen aus, zurotten, dennoch der Glaube an &e» spenster, Ahnungen, Traume, fliegende Drachen, Hexen, Schatzgrabereten/Wal, purgisnacht, Besprechen, Geistercitiren, und wie die Undinge alle benamset siyn mögen, welche menschliche Unwissenheit," Einfalt, Betrug, Eigennutz, Leichtgläu­bigkeit und Furchtsamkeit, oder, mitEi» nem Worte, der Aberglaube , hervorge, bracht Haden, hier und da noch fest hält, so daß man nicht thätig genug arbeiten, Eltern, Lehrer und überhaupt jeden gu­ten Menschen Nicht dringend genug bit­ten kann, diesem Unwesen durch Beleh, rund und Unterricht zu steuern; diesem Hebel, das die menschliche Vernunft und die Religion entehret, dem Laster oft den gewünschtesten Vorschub keiftet; dir« sein liebel, nach weichem man den Din­gen in der Welt Ursachen und Wirkun, gen zuschreibt, die fie nicht haben, nach welchen man ohne Grund immer das Schlimmste befürchtet und sich mit unge- gründeten Hoffnungen schmeichelt, Vor- urrllsile hegt, sich das Leben verbittert, sich Unruhe und Angst verursacht, überall Gchreckdilder sieht, Die Vorsehung per- -ißt, und dem Ungefähr trauet. Ich will in dem Folgenden versuchen, theils durch anzuführende Gründe, theils durch Erzählung von mancherlei Geschichten, sowohl aus eigner als auch aus andrer Erfahrung, Etwas zur Entkräftung des- zenigen Aberglaubens, dessen ich zuerst erwähnte, d.s Glaubens an Gespenster, »rizrmagekr, und dre Leser zu überzru-

gtn, baß es mit unfern Gespensterge­schichten gewöhnlich ganz natürlich zu» gehe.,

Nichts ist gewisser, als daß unter fünfzig Erzählungen von Gespenstern kaum Eine das Gepräge der Wahrheit bat, und daß, wenn man diese Eine un» tersuchen könnte oder wollte, selbst diese ihre Glaubwürdiqkeit verlieren und die Menge von Gespenstergeschichten bald auf eine geringe Anzahl zurüükkvmmen, oder sich vielmehr ganz verlieren würde, wenn nur diejenigen, denen zuweilen et» was begegnet, Dreistigkeit genug hätten, zu untersuchen, was das eigentlich sey, wovor sie sich fürchten und wenn sie nicht auö vorgefaßter Meinung, bei jedem Schein von Furcht übermannet, die Flucht ergriffen. Sie würden, w.nnsie genauer untersuchten, gewißfinden, dasi es eine Wirkung der Furcht ober der Einbildung war, oder daß es einen ganz natürlichen GegenstandzuwGrunde halte. Es ist wirklich zu verwundern, wie man auf so handgreiflich falsch« Erdichtungen, als die Gespenstergeschichten zu seyN pfie- gen, verfallen konnte, und wie sinnreich man bei der Ausdeutung derselben gewe­sen ist. Wollte man alle die Mährchen glauben, die man aus dem Gespenster« reiche erzählt, so müßte alles mit Gei­stern und Schreckbikdern ungefüllt seytt, wovon einige in Tkürmen und Häusern, oder auf Kirchhöfen und Gericktsstat' ken, andere in der Luft, in dem Wasser und unter det Erde anzutreffen seyn wür» den. Die erste Art sind Die nächtlichen Ruhestörer, Oie des Nachts zwischen n und 12Uhr mit den Geschirren in der Küche klappern, überall umher polterz», und denen, die ihnen zu nahe kommen, Ohrfeigen auStheUen. Wollte man alle Geschichten und Lügen der Art aus alten und neuern Zeiten, besonders aus dem

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