*“** ) 192 ( **•
Uebet bett rrsken Mai oder die Wal- prrrgis -- L^achr.
(Aus dem Volksfreund.)
Verfolg.
Was kannlächerlicher und ungereimter seyn, als die Meinung, daß gewisse Menschen alle meine Mühe, allen meinen Fleiß, den ich auf die Bebauung und B?- ardeikungmeines Ackers verwende! habe, vereiteln, und bewirken können, daß das Getreide, welches ich in die Erde streue, mchtaufqehe, oder daß da, woichWai« tzen gesaet habe, nichts als Dornen oder Disteln wachsen? Daß mein Vieh, wel, ches eine gesunde Nahrung und eine re- grlmäsige Pflege und Wartung genießt, nicht gedeihe? Daß dasBrodt, welches ich backen, oder das Bier, welches ich brauen will, rn'cht gerathe, ohngeachtet bei seiner Zubereitung nichts versäumet wurde? Daß das Gewehr, womit ich schießen will, versage, oder die Kugel desselben nicht treffe , ob das Gewehr gleich im besten Zustande war, und ob ich gleich alsein geschickter Schütze zielte? u. s- w.
Alle dirse und kaufend andere Dinge und Vorfälle schreibt Man nicht selten dec Einwirkung oder den Künsten boshafter Menschen zu, ohngeachtet solche Unfälle in dem menschlichen Leben, wenn sie sich ereignen, einen ganz andern und zwar ganz natürlichen Grund Haden. Ane boshafte Geschicklichkeit dergleichen Un» heil, durch Hülfe des Teufels oder andrer bösen Gnstrr anzurichten, nennt man Hexereien und Zaubereien.
In der Folge will ich von den Übeln Folgen und von dem vielen Unglück, welches der Glaube an Hexerei und Zauberei von jeher in der Welk angerichtcthat, «och viel erzählen: izt aber nur dlos von Hem Ursprung und der fabelhaften Se,
schichte sprechen, baß die Hexen in der Nacht zwischen dem lezken April und ersten Mai schaarenweise umherziehen und eine Reise nach dem bekannten Blocks, berge *) machen.
Zu dieser Reife, sagt die Fabel, sind nicht dios alle Hexen ans ganz Deutschland, sondern auch aus der ganzen Chri, sienheit verpflichtet. Manche haben daher einen schr weiten Weg, den sie nicht zu Wagen oder zu Pferde, nichtzu Was. ser oder zu Lande, svndrrn durch die Luft, auf einem B-irnstikl, einer Ofengabel, oder sonst auf einem ähnlichen Instrumente reitend, zurücklegen müssen. In der genannten Nacht wird nemlich von dem Haupte oder dem Obermeister der Hexen auf dem Blocksberge eine große Rathsverfammlung oder Concilium gc* halten, um über die wichtigsten Angele, genbeiten und Begebenheiten, welche sich im Reiche der Hexerei und Zauberei er- eignet haben und zukünftig ereignen fol. len, gewiss- Beschlüsse zu fassen und gc. wisse Verfügungen zu treffen , und vor. züglrch allen frommen und gläubigen Christen, und besonders denenjenigen, welche abgesagte und grschworne Feinde des Reiches des Satans sind, und die Hexerei und Zauberei von der Erde zu verbannen trachten, einen Stein des Anstoßes in den Weg zu legen, und ihnen aus allen Kräften entgegen zu arbeite«.
Dies ist der Hauptzweck jener großen Rathsverfammlung, sagt die Fabel. Daß es der diesem Concilio äusserst feier, lich zugehe, werden meine Leser schon von selbst erachten können. Aus diesem Grunde sage ich ihnen auch weiter nichrö
*) Der auch Brocken heißt, der höchste Berg aufdem Harze ist und inner, halb den Grenzen der Grafschaft Wernigerode liegt,
Von


