Lieber b<» Gebrauch des X-uLrabaks.
(Aus dem Volksfreund.)
Fast in jeder Gesellschaft, die nur etwas zahlreich ist, findet man jeztMan- ner, die sich da durch Tabakrauchen vergnügen, unD wieder andere, die es nicht können; diese letztem pflegen dann auch wol gegen dasselbe loszuziehen, es als höchst schädlich oder doch wenigstens ganz unnütz zu verschreien. Es ist daher wol der Mühe werth, dies etwas näher zu beleuchten. Ein unentbehrliches Kraut ist der Tabak freilich nicht, dies wird je, vermann zugestehen ; es haben viel Völker sich ganz ohne denselben beholfen, und fast alle Mädchen leben noch ohne ihn eben so gesund als wir; er kann zuwel« hn selbst schlimme, ja sehr schlimme Folgen haben, führt auch immer einige Un# Annehmlichkeiten mit sich: er schadet den feinem Florkleidern der Frauen und Mävchen/macht ihren rerchenMützen leich« res Anlaufen, giebt, wenn man sonst nicht reinlich ist, dem Mund« einen üblen Geruch , verdirbt dann, auch wot die Zähne. -
O8 aber der Schaden nicht gewöhn« sich übertrieben wird, ob der Tabak nicht auch sein Gutes hat, Vas ist doch eine andere Frage. Das Vergnügen, daS er seinem Freunde verschafft, der des Ta« kaks wegen oft gern Essen und Trinken stehen läßt, um nur an seinem Wohlgeruch sich zu laben, will ich nicht einmal anfüh« fen, auch das nicht, daß er oft in man« eher großen Gesellschaft das einzige Mit« tel ist, um sich zur Ertragung des elenden , abgeschmackten Geschwätzes ge« schickt zu machen: man hüllt stchin feine blaue Dämpfwolke, fleht deren Zage nach, oder denkt sonst, woran man will, und läßt die übrige Gesellschaft sich über Krieg/ Wind und Wertes, Moben,
Skadtneuigreiten, Klatschereien und der« gleichen streiten, soviel und wie sie will, ohne dabei, gerettet durch die Pfsift, Langeweile zu haben.
Um nun aber in Rücksicht des Ta- baks selbst etwas von seiner Geschichte anzuführen, so erhielt Johann Nikot, Ab- gesandter des Königs von Frankreich am portugiesischen Hofe, unter den Europäern zuerst dies Kraut von Holländern, (welche es also natürlich freilich noch vor ihm gehakt batten) die eS aus Amerika m-kgedracht hatten, im Jahr i46o. Hier batte man sich des Tabaks schon äusser« lich als Wundkraut bedient, hatte feine Blatter zum Stillen des Blutes und Hei» len auf die Wunden gelegt, und den Rauch davon fegen die amerikanische« Priester und Zauderer ein, wenn siewahr- sagen wollten. - *
Um diese Zeit wurde indeß der Gebrauch des Tabaks bei uns noch nicht allgemein, obgleich die Amerikaner sich des. selben schon seit undenklichen Zeiten be- dient Haden können , sondern erst als der Engländer Walter Rakeigh im Jahre 1610 nochmals dies Kraut aus Amerika nun nachEngiand brachte, u. eS dabekannt machte ( Dies ist eben der Raleigh, de» lZ Jahr später, nämlich 1623 dir so unendlich nützlichen Kartoffeln oder Erdäpfel aus Amerika in England einführte, von wo sich diese dann über das ganze übrige Europa ausbreiteten, doch so, daß ihr Gebrauch alS Speise für Menschen erst in diesem Jahrhunderte agge. mein wurde.) Weil nun der Labak am häufigsten in der Insel Tabago verhau- delt wurde, so bekam er in derFolgevo» i8r f«in«n «Romtn : « ist also eigentlich richtiger Tabak als Tobak zu sagen, obgleich dies letzte weit gewöhnlicher ist. _ Die Labakspflanze nun hat einig» schwefelige Tbeile bei sich, wie manschen
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