Ausgabe 
6.12.1794
 
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Ueber den ttflttt Mai s-er die wal- purgt's - Vlftdat.

(Aus dem Volksfreund.) Verfolg.

Durch ein fo frommes, khatiges und nützliches Leben zog sie sich zwar den Haß des Teufels und aller Hexen und Zauberer zu: aber sie erwarb sich auch die Liebe und Achtung der ganzen Chri« stenheit, und besonders die Aufmerksam« feit und das Zutrauen ihres Onkels, des heiligen Bonifacius. Dieser ließ sie, als sie ihre Reise beendigt hatte, ans Eng« land nach Deutschland kommen, und machte sie zur Vorsteherin einiger der Wichtigsten Klöster. Auch in diesem Stande erwarb sie dem Christenthum viele Anhänger, und that dem Reiche des Satans nicht wenig Abbruch. Kurz ihr Ruhm ward von Tage zu Tage größer, und sie kam bald dermaßen in den Ge­ruch der Heiligkeit, daß man glaubte, sie könne Wunder thun, sind Mt| den bösartigsten Krankheiten, besonders vosi Behexungen und Bezauberungen befreien.' Aus allen Ecken und Winkeln.h/pErde, wallfahrtete man daher nach dem Kloster Heidenheim, in welchem sie zulezt lebte, vnd schätzte sich oftmals glücklich, wenn man sie blos sehen, ihre Füsse küssen, oder den Saum ihres Kleides, oder ihre» Pantoffeln berühren konnte. So leicht war.es damals, die armen Sterblichen zu betrügen. Denn die Jungfer Wal» purgis mochteeineganzehrbare, rügend« same und gottselige Jungfer seyn. Daß sie aber Wunder thun konnte, davon wird mich keiner überreden. Die Menschen aber glaubten es, und wohl ihnen, wenn ihr Glaube ihnen half!

Aber nicht allein im Leben that unsre Walpurgis Wunder, sondern, was noch Mit mehr ist, auch im Tode, Sie starb

780 in dem genannten Kloster. Man zerriß sich fast um ihre Kleidungsstücke, wegen der wunderthätigen Kraft, welche man auch ihnen beimaß; und ein jeder, der nur ein Stück von einem alten Pan« toffel oder einem alten Hemde erhielt, schätzte sich über alles glücklich.

An vielen Orten der Erde zeigt man noch heut zu Tage, von ihr solche lieber« bleibsel, weiche man Reliquien nennt. In Wittenberg unter andern besaß man ehemals drei Zähne und mehrere Kno­chen von dieser heil. Junafrau; in Cölln soll noch jezt einer ihrer Finger und ihre Hirnschaale aufbewahrt werden. AuS ihrem Leibe floß, wie die Fabel sagt, ein äusserst wohlriechendes Oel, welches eine überaus große wundekthakige Kraft hat; denn der bloss Geruch desselben machte die Blinden sehend, die Lauben hörend, die Lahmen gesund u. f. w.

Diesen heiligen wunderthätigen Re- liguien oder Ueberbleibseln von derselben zu Ehren wurden eine Menge von Tem­peln , Kirchen und Klöstern erbaut, und nach ihrem Namen genannt. Wollteich meinen Leser mit geographischen Nach, richten ermüden, so könnte ich davon eine ganze Anzahl Ernennen.

Vorzüglich wurde sie aber in diesen Heiligthüinern als eine Schutzpatronin gegen Hexerei und Zauberei verehrt, wo­gegen ihre Reliquien auch am wirksamsten befunden wurden. Dies gieng so weit, daß vor jeinanden, der einen Tropfen von dem genannten Oel befaß, alle He­xen u.nd Zauberer aus einem Lande flo­hen, ja daß drrse unreinen Geister, Oie# ses heilige Oel auf io deutsche Meilen ro. chen,. und schon in dieser Entfernung da. von liefen-, als wenn ihnen der Kopf brannte.

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