Ausgabe 
5.7.1794
 
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Verfolg der im vorigen Sruck abgebrochenen Abhanolung.

Doch tvi'S ich Euch , lieben Mitbür­ger! noch ein Mittel gegen eine der schäd- liebsten Baumraupen, nämlich den 2515* ten vickler bekannt machen, das ich zwar nicht erfunden / aber doch seit zwei Iah» ren mit dem besten Erfolg probirecund angewandt habe, ohne übrigens da« durch dem aus dem beliebten Reichsan­zeiger genommnen Vorschläge in Nro. XXIJ. dieses Wochenblatts, Einschrän­kung geben zu wollen.

Spannraupe Heist jede Raupe, wel­che nur vorn und hinten Füsse hat, und deswegen, wenn sie sich fort bewegt, ei­nen aufwärts stehenden Bogen macht. Eine Art dieser Spannraupen ist der ge­nannte Blütenwikler. Die Raupe sieht grünlich aus, mit weiss-n Streifen, hat sechs spitze Vorderfüße und vier stumpfe Hinterfüße. Wenn im April oder Mai die Blüthrn traurig aussehen und nicht aufdrechen wollen: so darf man nur ei­nige aufmachen, um diesen gefährlichen Gast zu beobachten. Doch findet man darinn zuweilen auch eine Art von weiß- gelben Maden, wovon ich ein andermal sprechen werde. Jene scheint sich üvri. gens bloß von« den Blüthen, nicht von Blättern zu nähren, ob sie gleich dem so­genannten Blattwickler, einer andern Art Spannranpen, sehr ähnlich sieht, der aber zwölf Füße hat. Sind die Blü, then gänzlich zerstört, so begirbt sich di« Raupe auf die Erde und verwandelt sich in eine kleine etwa einen halben Zoll lang« u. einen starken Strohhalms dicke braun« Puppe, welche noch üderdem mit einer Rinde von Erde umgeben wird, so daß von der übrigen Erde nicht zu unter« scheiden ist. In diesem Zustande bleibt sie den Sommer über liegen, last sich her­

um graben und hacken, ohne dadurch merklichen Schaden zu leiden. Im Spar­herbst aber und zwar, wie ich nun zwei Jahre (auch andern Beobachtungen ge. mäs) bemerkt habe, genau Den 2zren Öctober, ( doch kann solches vielleicht in andern Jahren auch etwas früher oder später erfolgen) verwandelt sich nun diese Puppe in einen Schmetterling, wel­cher aber nur des Abends nach Sonnen­untergang sich sehen last. Das Mann- gen hiervon, hat fast das Ansehen einer grossen Motte, fern Körper ist nicht län­ger als ein Gerstenkorn, und etwa halb so dick. Das Weibgen hat einen eben so langen aber merklich dickeren Körper; und hat fast gar keine Flügel, sondern, wenn ich so sagen soll, nur kleine An­fänge davon auf den Schultern sitzen, womit es zwar flattern , nicht aber fiie. gen oder sich durch die Luft bewegen kann. In dieser Beschaffenheit nun liegt die Möglichkeit der Vertilgung dieser schad, lichen Raupenart. DaS Weibgen näm­lich ist nicht im Stande anders auf den Baum zu kommen, als daß es an dessen Stamm hinauf klettert. Bei diesem Marsch und schon, so wie es aus der Erde kommt, wird es von unzähligen Männgen (deren es weit mehrere, als Weibgen giebt) umflattert, die sich um seinen Besitz zu streiten scheinen; es be. gattet sich mit einem davon und macht in dessen Verbindung den Weg auf den Baum, legt alsdann feine Eyer, meh­rere Hunderten sedes, gewöhnlich ins Moos, an die dürren Spitzen der Aeste und in die vomvorigrn Jahr hängen geblre- denen verdorbenen Blüthenbüschel; dies« Eyer verwandeln sich des Frühjahrs, .wenn der Baum zu blühen anfängt, in Raupen, die sich fodaun vertheilen und ihre Wohnung in den Dlüthknospen auf- schlagen, welche ihnen zugleich zur Nah. rung dienen- .

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