Ausgabe 
1.6.1793
 
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Die sogen-ttttte Gänsepef?.

Die Gänsepest äussert sich besonders in den Monaten Innins und Juliusun» ter der jungen Gänsezucht.

So bald eine Gans mit gedachter Krankheit befallen wird, laßt sie dieFlü' gel schießen, nimmt einen taumelnden Gang an, vertieret den Appetit zum Fressen und Saufen; schlägt sich von ih, rer Heerde, setzt sich hin, und erwartet allda, ohne irgend einen Genuß ihrer Nahruag, in kurzem ihren unausbleibii- chen Lod; und also verbreitet sich dieses unheilbare Urde! über mehrere Heerden, oder Zuchten. Nicht selten erführet und siehet man, daß bei einer zahlreichen Trift von 45 bis 50 Stück, kein einziges bleibt. Ein jeder denkender Mensch, der entwe­der selbst ein guter Hauswirthist, oder auch nur die Gelegenheit hat/ einen über, legenden Blick in die Hausmänntsche Ökonomiezuwerjen, wirdzugedenmüs. sen, daß hiedurch dem arbeitsamen Land« mann ein beträchtkrcher Schaden verur. facht werde; denn er machtaufeineziem« lich gut gerathene Gänsekrift Rechnung, seiae jährlichen Abgaben zu entrichten, und er kann es auch.

Es rühret dieses oft allgemeine Gansesierden, so viel jeztbekannt ist, aus viererlei Ursachen her.

Die erste Ursache davon ist eine kleine Mücke, die unter dem Namen der Geitze bei dem gemeinen Manne bekanntist, sich vorzüglich an niedrigen feuchten Oertern im Grase, und auch in den Schafstätten km Schafdüager aufyälr, der Nahrung jungen Gänsen in die noch UN. befiederten Odrhöhlen kriecht, und das Gehirn der Gänse anfrißt, wovon -sie denn, endlich den Tod nehmen.

Ein sicheres Präservativ gegen diese Krankheit, die viele die Ohrenseuche nen,

nen, ist, baß man gegen denMonatJu- nius um die Qhrhöhlen der jungen Gänse einen einige Linien breiten Kreis mitOel, Thran oder Terpentinoe!, mit frischer mit feingemachtem Knoblauch oder Wer. muth vermischten Butter, oder noch des» ser mit Theer, zieht, als wodurch das Infekt nicht allein verhindert wird, ins Ohr einzukriechen, sondern auch nicht versucht, solches zu thun, weil ihm der Thran- Terpentin- Knoblauch- Wer­muth- und Theergeruch zuwider ist. Gut ist es, wenn man die junge Gans auch zugleich unter den Flügeln mit vorder fchriebenen Dingen schmrerk, denn dar- unter macht die Gertzr ihre erste Brut, welche demnächst von da nach dem Halse und Kopfe zu wandert.

Da die junge Gans den Oelanstrich am Grase leicht abzuschaben pflegt, so muß das Bestreichen damit alle 8 Tage, und zwar so lange, wiederholt werden, bis die Ohrlöcher mit Federn bewachsen sind, der Anstrich mit Theer dagegen, braucht überhaupt nur einmal zu Qtfäjet hen, denn solcher laßt sich nicht so leicht abwischen, wie Oel und Thran.

Hat sich die Geitze aber bereits int Ohr eingefressrn, so hilft kein Bestreichen der Ohrlöcher mehr, sondern man muß als denn folgendes Mittel gebrauchen: Man schütte in ein Gefäß, in welchem we. nigstens i/2 Fuß hohes Wasser seyn muß, etwas Gerste, oder anderes Getreide, das gleich zu Boden sinkt, und nicht oben auf dem Wasser schwimmen bleibt, und fetze solches der kranken Gans vor. Um das Futter vom Boden des Gefäßes her« vorzuhol/n, wird sie oft ihren Kopfganz unter das Wasser tauchen, und dadurch die in ihren Obren sich befindenden In. selten nöthigen, ihre eingenommene Woh. nung wi-eder zu verlassen.

- Gänse,