Ausgabe 
17.8.1839
 
Einzelbild herunterladen

Besondere B t i läge z it M 3 3.

Jtt vielen Städten Deutschlands haben sich Vereine gebildet, deren Zweck es ist, die bildenden Künste, d. h. Malerei, Bildhauerei, und die übrigen damit verwandten Künste, zu fördern den Sinn dafür zu erwecken, und zur Ausübung dieser Künste aufzumuntern re. Da es nemlich im Verhältm'ß nur wenig reiche Privatleute gicbt, welche solche Mittel oder Vorliebe für diese Künste haben, daß sie zur kostspieligen Anschaffung von Kunstwerken Geld verwenden, die Künstler aber von ihrer Kunst leben und auf ein Werk Jahre lang Zeit verwenden müssen, da­her die Gemälden und Bildhauerwcrke einen so hohen Preis haben; so suchen jene Vereine ihren Zweck zunächst dadurch zu erreichen, daß die Mitglieder Geld zusammenschießen, und -nun Maler und Bildhauer auffordern, ihnen ihre Werke zuzufchicken, aus denen dann die besten ausgesucht, aus der Caffe angekauft und unter die Mitglieder verloost werden, nachdem alle so zusammengebrachren Kunstwerke einige Zeit vorher znm Anschauen öffentlich ausgestellt worden waren. Hierdurch wird der Zweck der Vereine auf doppelte Weise erreicht, indem einmal das Publikum gute Kunstwerke zu sehen bekommt, was den Geschmack bildet und zur Ausübung der Kunst aufmuntert, dann aber den Künstler» Gelegenheit gegeben wird, bekannt zu werden und ihre mühevollen Arbeiten leicht zu verkaufen, was sie zum Fleiß und Fortschreiten in ihrer Kunst anfeuert und sie vor der Gefahr schützt, mit ihrer Kunst, wie das Sprüchwort sagt, betteln zu gehen. Welch großen und wichtigen Einfluß aber die bildende Kunst selbst auf den Menschen und auf feine geselligen Verhältnisse' a»s- übt, ist gewiß jedermann bekannt, sie stimmt den Menschen, gleich der Musik, zu edleren, erhebenden Gefühlen und greift zugleich innig und unzertrennlich ins Geschaftsleben ein. Denn welcher Hand­werker z. B. sieht nicht ein, wie großen Nutzen es ihm bringt, wenn er zeichnen kann und zu mo- delliren versteht? Die älteren, denen es an Gelegenheit fehlte, sich in diesen Künsten zu üben, schä­tzen daher ihre angehenden Genossen glücklich, denen die Realschulen Gelegenheit gaben, zeichnen modelliren rc. zu erlernen, und so wird sich gewiß auch Jedermann gerne dafür interessiren daß diese Künste, die man im Allgemeinen die bildenden nennt, weil sie die Natur nachbilden ge­hoben worden, daß ihnen allgemeiner Eingang in der menschlichen Gesellschaft verschafft wird und folglich wird auch Jedermann, sei er vornehm oder gering, arm oder reich, die Kunstv-rcine" deren Bestrebung auf Erreichung dieser Zwecke gerichtet ist, gerne unterstützen, so viel er dazu bei­tragen kann. 8

Ein solcher Kunstverein besteht nun auch in Darmstadt unter dem besonderen Schutze Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, der seinen Zweck schon auf die segensreichste Weise erreicht hat. Sei» Wirkungskreis ist zedoch nicht auf Darmstadt beschränkt, sondern dieser erstreckt'sich auks ganze Land. Damit nun aber auch alle seine Vortheile überall erkannt und genossen werden können namentlich durch die. Ausstellung der Bilder zum Anschauen des Publikums w., so ist d e EinD tung getroffen worden, daß die Bilder dieses Kunstvercins auch hier in Giessen aus- gestellt werden sollen, wenn sich eine angemessene Zahl von Theilnehmern an dem Vereine hier zusammen findet. Die Unterzeichneten haben es unternommen, diese für Giessen höchst wichtige Einrichtung ins Werk zu setzen, und fordern sie daher Giessens Einwohner auf, es durch eine recht zahlreiche Dheilnahme möglich zu machen, daß auch in Giessen die bildende Kunst einen Sitz aufschlagen kann, was nm so wünschenswerther ist, als für diese Kunst bisber hier wenig oder nichts geschah, und wodurch namentlich auch die hiesigen Gewerbsleute einen großen Vortheil entbehren mußten.

dem Kunstvereine in Darmstadt betheiliget man sich in diesem Jahre durch eine Einlage m iS' S erkM man nicht nur einen sehr schönen Kupferstich oder Steindruck von 2

Po. -W- ^«11), welcher nicht in den Kunsthandel kommt, sondern hat auch Hoffnung von 9io °der wohl «uch noch mehr vorzüglichen Oelgemälden bei der Verloosung echs zu gewinnen, und werden zugleich diese und andere Gemälde hier ausgestellt, damit sie Jedermann anseben und tlck s° -in-» G-nuss °«sch°ffm I-n», d« ,r bISH« goüä muß,/ «ifttg

tung getroffen,. daß für Giessen künftig besondere Vortheile statthaben, und ist darum um so wünschenswerther, daß gleich ein guter Anfang in der Sache gemacht werde '

Daß Giessens Bewohner für Künste nicht unempfänglich sind, beweist die Musik bei einer Vergleichung ihres rotzigen Zustandes mit dem vor noch nicht langen Jahren; es haben sich in

V" WA >i2ingvereine hier gebildet, die bereits anfangen, den früheren rohen und wilden Gesang zu verscheuchen; wir finden an öffentlichen Orten gute Instrumentalmusik; es hak