9?um. 15. des Gresser
Aufforderung an Menschenfreunde.
Unter dem 20. Januar 1814. wurde von dem Unterzeichneten nachstehende Aufforderung in diesem Blatte bekannt gemacht:
Vier Kindek und zwar zwey Bu- ben von 12. und 7. Jahren und zwey Mädchen von 9und 4Jahren, deren Eikern zwar noch am Leben , aber äusser Stand find, das geringste zu ihrer Verpflegung und zu ihrem Unterricht beizutragen, sind Fremder Hülfe um so mehr bedürftig, da auch Verwandte sich ihrer nicht annehmen können.
Sollten; vielleicht Kinderfreunde, besonders Wohlhabende und solche, die der Himmel nicht mit Leibes-Erben gesegnet hat, Kinder aus Menschenliebe zu sich nehmen und unentgeltlich erziehen wollen , denen kann ich diese Unglücklichen nicht genug empfehl len und übrigens die Versicherung geben, daß sie von guter Familie sind.
Da die Kinder in dem entgegengesetzten Falle auf Kosten des Staats verpflegt und erzogen werden sollen; so fordere ich zugleich rechtliche Personen, welche sie gegen Bezahlung in moralischer und physischer Hinsicht erziehen wollen, auf, ihre Forderungen bald möglichst an mich gelangen zu lassen.
Der Herr Freiprediger Stücker zu Darmstadt faßte den rühmlichen Entschluß, das jüngste der erwehnten 4. Kruder ganz unentgeltlich zu sich zu nehmen und erziehen zu wollen, übe! verstandene Vorliebe der Mutter für ihr Kind vereitelte ihm die Ausführung seines edlen Vorhabens und weil wegen der andern Kinder das nemliche zu besorgen war; so wurden solche sammt- lich der Mutter noch belassen, von S r. König!» Hoheit, dem Gros/
Anzcigungsblattchen.
Herzog, der Vater in Militakrdienste genommen und für jene solche Unterstützungen allexgnadigst verwilligt, die, mit reichlichen Gaben, weiche aus dec Fleischen Stiftung der freien Stade Frankfurt am Main der von da gebür- tigen Mutter zuflossen, hinreichten, diese Ungluckltchen auch wahrend des letzterr harten und bedrangnisvollen Jahres für Mangel zu schützen und wohl nue einmal ist es bei augenblicklicher Noch und harter Behandlung wegen.eines unbedeutenden Schulbpostens der Fall gewesen daß sie auf Unterstützung anderer theilnehmender Personen Ansprüche gemacht haben.
Beide Eitern sind indessen mit Tod abgegangen, die Kinder stehen eben so arm als verlassen da, und obgleich nicht zu bezwcifien ist, daß die Wohlthaten, welche die Mutter bisher genossen hat, jenen für die Folge nicht entzogen werden; so sind doch deren Bedürfnisse sowohl, als die Sorgen dafür, grvser geworden, daß für die künftige Bestimmung derselben mehr geschehe, als unter den bisherigen Verhältnissen möglich war. Demnach findet der Unterzeichnete sich veranlaßt, di-Menschenfreunde, welche dem einen oder dem andern dieser unglücklichen Kinder, feye es — dem rühmlichen Beispiel des Hrn. Frerpredigers Stucker folgend — ganZ unentgeltlich oder gegen eine masige Vergütung, wenn auch nur eine gute bürgerliche, Erziehung geben wollen, wiederholt und auf das dringendste aufzufordern, ihn davon bald gefälligst m benachrichtigen. 8
lkich am 4. April 1818.
Vermöge höheren Auftrags der PoUzeLrüch Fritz.
Be-


