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Die
Seyer tos Reformationsfestes 1817.
( Verfolg. )
e Schon standen Taufende unter den Klügeren des Volks bereit, um die Religion oon den geifehl des Aberglaubens , der Unwissenheit und der Will- führ zu befreyen und sie, dem Geiste des fortschreitenden Zeitalters der Aufklärung gemäs, in ihrer ursprünglichen Reinheit darzustellen. In öffentlichen Kirchenversammlungen hatte man von einer nöthigen Verbesserung der Kirche in Haupt und Gliedern laut gesprv- ehen. Aber die Versuche einzelner scheiterten , sie endeten mit dem Scheiterhaufen oder mir ewiger Einkerkerung» Da stand ein Mann voll Muth und Kraft auf, Doctor Marlin Luther, ein Augustinermönch, Professor der Theologie zu Wittenberg und Visitator der Klöster Augustiner Ordens in Meissen und Thüringen Er stand unter dem Schutze eines der weisesten Fürsten seines Jahrhunderts, des Kurfürsten Friederichs des Weisen von Sachsen, rind hatte früher, bei einer Reise in Angelegenheiten seines Ordens nach Rom, daö Sittenverderbnis und die Mißbrauche bei der Römischen Geistlichkeit seiner Zeit mit eignen Augen gesehen. Damals reiste ein Dominikanermönch Johann Tezel als Commissar vder Unkerpachker des Ablasses in Sach, sen und den übrigen Provinzen des nördlichen Deutschlands herum. Dieser benahm sich in seinen Ablaßpredig- ten auf eine unkluge und vermessene Weise. Er bchauorete nem.'ich. der Ablaß fty die höchste und werchcste Gabe Gottes und vermögend, den Sünder auch ohne Reue und Buße zu rechtfertigender gebe dem, der ihn kaufe, die ursprüngliche Reiuigkeit, die er in -er Lauft empfangen habe, wieder;
der Weltheiland habe seit feiner Himmelfahrt keine weitere Gewalt über die Kirche, diese stehe dis zum Tage des allgemeinen Weltgerichts dem Pabsts allein zu, das rothe Ablaßkreuz nut dem daran Hangenden päbstlichen Wappen sey folglich als das Allerheiirgste zu verehren und eben so wirksam, als bas Kreuz Christi. Wer dieses bezweifelte, wurde schon zum voraus mit dem Bann bedroht. Luther, welcher schon zuvor über die Lehren des Christen- lhums und die Pflichten der Christen vor feinem Kurfürsten mit Beifall gepredigt hatte, wagte es, seine Stimme gegen diesen Mißbrauch zu erheben, um so mehr, da mehrere seiner Beichtkinder, welchen er Aelle und Besserung empfohlen und bis dahin die Absolution verweigert hatte, auf den Ablast trotzten. Er predigte am 31. Oktober 1817. an einem Sonntag, in der Schloß» kirche zu Wittenberg, gegen den herrschenden Kaltsinu in der christlichen Religion und zeigte, daß der Christ, dem seine Seligkeit am Herzen liege, weit grösere und wichtigere Pflichten zu erfüllen habe, als den Ablaß zu lösen. Zugleich schlug er 75 Theses an der Schloßkirche zu Wittenberg an, in welchen er alle Freunds der Wahrheit auffoderte, diese Satze, welche er zrr veckheidigen bereit fty, einer weiteren gelehnten Prüfung zu unterwerfen.
( Der Verfolg künftig. )
polizey - Bekanntmachung.
Es iit zwar vormals in die en Blattern die Polizeyverfügung schon einge- scharft worden, daß Jeder hiesige Einwohner, bei welchem fremde Personen übernachten, noch vor der Abendzeit die Anzeige davon mit der Bemerkung, wieviel Tage ungefähr der Aufenthalt solcher auswärtigen Personen dauern werb-, a» bell Thorschreiber am Wall- khvr.


