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Die Bedrängnisse des 30 jährigen Rriegs.
( Verfolg.) 1643.
Den 5. 4. 5. Januar fiel unauf- hörlich starker Regen, Schnee und Eiß brach auf, und es entstand dadurch ein solches Wasser, daß die Lahn den 4ten, nachts zwischen 12 und 1 Uhr in den Wallgraben brach. Das Wasser «ahm in der Stadt so sehr zu, daß cs an einigen Orten zwey Mannstiefstand und vieles Vieh ertrank. Das Wasser gieng an allen Thoren über die Wallgrabenbrücken und man konnte von dem Siechhaus an, am Fuße des Selzersbergs, mit Nachen über die Gchoor hin bis an den Wallberg fahren. Die Leute fuhren allenthalben auf den Slrasen mit Nachen und mit Backtrögen, nur auf dem Markt allein blieb es trocken, jn Wetzlar und Weilburg hat die Lahn viele Hauser niedergerissen. Die zwei) jungen Fürsten konnten damals nicht in die Stadt kommen, sondern mußten einige Nächte auf dem Schiffenberg bleiben. Oer Landgraf, um den Folgen des vielen stehenden Wägers und Schlammes zu entgehen, zog mit lelnem Hofstaat nach Rüsselsheim. .
d Den 2 Februar, nachdem ein star, fer Frost eingefallen war, stand das Mehr so hoch mit Grundciß, daß sich das Wasser daselbst verstopfte und aus der einen Seite an der Mühle vorbeifloß. Auf der andern Seite schoß es über den Schießplatz < iejt bie Bleiche), und niemand konnte aut die Brücke kommen. Nach gepflogenem Rath lies der Platzobristlieucenant von Buseck eine halbe Carthaunc hinausfahren und ;wey Schüsse auf das Eiß lhun, aber ohne Erfolg Die Eiffer rammelten an der Schleuste mit Eißhebcrn, aber sogleich fror wieher Eiß mitten auf der
Wehre. Die Wehre, so wie die Brücken, nahmen indessen glücklicher Weise dabei keinen Schaden.
Zu den traurigen Begebenheiten dieses Jahres gehört der Tod des allgemein geliebten Landgrafen Philipp zu Butzbach, der bei allen Bedrängnissen als ein Vater unter seinen Untertha- nen standhaft ausgehalten hatte, und dessen Tugenden auch von Feinden hochgeachtet wurden. Es waren ihm Dampfoder Schwitzbäder verordnet worden, und man setzte ihn in einen Behälter von gebackenen Steinen, der um den Hals geschlossen war und aus welchem dlos der Kopfhervorstand. Unten setzte man Becken von heissem Braniitewe:» hinein. Da der Schweiß nicht sogleich hcrvorkommcn wollte, befahl der Fürst, den Brannlewein stärker zu cryitzeu. Dieser fieng Feuer, die Dämpfe entzündeten sich, und der Fürst war, bis man ihn herauszureissen vermochte, jämmerlich verbrannt. Er starb nach 'S Tagen, den 20 April, unter den größten Schmerzen. Die hiesige Universität verdankt seinem Vermächtnis den Besitz seiner kostbaren malhematischen und astronomischen Instrumente.
In Wetzlar entstand durch Unvorsichtigkeit beim Flachsdörren ein starker Brand den 1). Sept., so daß, bei einem starten W-ude, in einer Stunde 60 Gebäude im Feuer aufgiengen.
Die ganze Gegend lut in diesem Jahre durch die verschiedenen Kriegs- Heere. Der Schwedische Generalwacht- mcister Graf von Königmark brandschatzte Stadt und Land, die Franzosen unter Turennc standen einige Zeit zwischen Marburg und Gießen, und die Baiern ui der Wetterau.
1644.
Es fiel ein frühzeitiger heftiger Frost ein, schon 14 Tage vor Martini fieng


