Ausgabe 
27.11.1813
 
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Die Bedrängnisse des 30 jährigen Rriegs.

( Verfolg.) 1643.

Den 5. 4. 5. Januar fiel unauf- hörlich starker Regen, Schnee und Eiß brach auf, und es entstand dadurch ein solches Wasser, daß die Lahn den 4ten, nachts zwischen 12 und 1 Uhr in den Wallgraben brach. Das Wasser «ahm in der Stadt so sehr zu, daß cs an ei­nigen Orten zwey Mannstiefstand und vieles Vieh ertrank. Das Wasser gieng an allen Thoren über die Wallgraben­brücken und man konnte von dem Siech­haus an, am Fuße des Selzersbergs, mit Nachen über die Gchoor hin bis an den Wallberg fahren. Die Leute fuh­ren allenthalben auf den Slrasen mit Nachen und mit Backtrögen, nur auf dem Markt allein blieb es trocken, jn Wetzlar und Weilburg hat die Lahn viele Hauser niedergerissen. Die zwei) jungen Fürsten konnten damals nicht in die Stadt kommen, sondern mußten ei­nige Nächte auf dem Schiffenberg blei­ben. Oer Landgraf, um den Folgen des vielen stehenden Wägers und Schlammes zu entgehen, zog mit lelnem Hofstaat nach Rüsselsheim. .

d Den 2 Februar, nachdem ein star, fer Frost eingefallen war, stand das Mehr so hoch mit Grundciß, daß sich das Wasser daselbst verstopfte und aus der einen Seite an der Mühle vorbei­floß. Auf der andern Seite schoß es über den Schießplatz < iejt bie Bleiche), und niemand konnte aut die Brücke kommen. Nach gepflogenem Rath lies der Platzobristlieucenant von Buseck eine halbe Carthaunc hinausfahren und ;wey Schüsse auf das Eiß lhun, aber ohne Erfolg Die Eiffer rammelten an der Schleuste mit Eißhebcrn, aber sogleich fror wieher Eiß mitten auf der

Wehre. Die Wehre, so wie die Brü­cken, nahmen indessen glücklicher Weise dabei keinen Schaden.

Zu den traurigen Begebenheiten dieses Jahres gehört der Tod des allge­mein geliebten Landgrafen Philipp zu Butzbach, der bei allen Bedrängnissen als ein Vater unter seinen Untertha- nen standhaft ausgehalten hatte, und dessen Tugenden auch von Feinden hoch­geachtet wurden. Es waren ihm Dampf­oder Schwitzbäder verordnet worden, und man setzte ihn in einen Behälter von gebackenen Steinen, der um den Hals geschlossen war und aus welchem dlos der Kopfhervorstand. Unten setzte man Becken von heissem Braniitewe:» hinein. Da der Schweiß nicht sogleich hcrvorkommcn wollte, befahl der Fürst, den Brannlewein stärker zu cryitzeu. Dieser fieng Feuer, die Dämpfe ent­zündeten sich, und der Fürst war, bis man ihn herauszureissen vermochte, jäm­merlich verbrannt. Er starb nach 'S Tagen, den 20 April, unter den größ­ten Schmerzen. Die hiesige Universi­tät verdankt seinem Vermächtnis den Besitz seiner kostbaren malhematischen und astronomischen Instrumente.

In Wetzlar entstand durch Unvor­sichtigkeit beim Flachsdörren ein star­ker Brand den 1). Sept., so daß, bei einem starten W-ude, in einer Stunde 60 Gebäude im Feuer aufgiengen.

Die ganze Gegend lut in diesem Jahre durch die verschiedenen Kriegs- Heere. Der Schwedische Generalwacht- mcister Graf von Königmark brand­schatzte Stadt und Land, die Franzo­sen unter Turennc standen einige Zeit zwischen Marburg und Gießen, und die Baiern ui der Wetterau.

1644.

Es fiel ein frühzeitiger heftiger Frost ein, schon 14 Tage vor Martini fieng