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Die Bedrängnisse des 30 jährigen Rriegs. (Verfolg.)
1657.
Die Hungersuoth nahm gegen das Frühjahr so sehr zu, daß die Leute Hunde, Katzen und Ratten als Lecker- bissen verzehrten. Die Armen folgten dem Karrn des Abdeckers , wenn er ein gefallenes Stück Vieh hinausführte, schaarenweise, und um den Besitz einer Schweinekeule gab es damals blutige Köpfe. Ja sie kamen oft dem Abdecker zuvor, zogen ein crepicles Stück Vieh ab, und vertheilten es. Man erzählte sogar, daß in der Wetkerau eine Mutter, welche mit zwei) Kindern vor Elend und Hunger im Bette lag , von ihrem zuerst verstorbenen Kind ein Stück gekocht und davon gegessen,, auch dem andern Kind davon gereicht habe. Eine alte hiesige Nachricht erzählt folgendes. „ Da starb Johann Velten Bcplern dem Müller ein Schw in, die armen Leute, so vmb die Mühl her lagen, schunden es und assen das Fleisch. Zu des Müllers Frau kam ein Weibsmensch, dec hat sie die Katz geschenkt, sie zu kochen, da kam des Müllers Frau dazu und sah, daß der Kopf noch in der Haut stack, sie schlug deswegen die arme Frau nut der Haut und Kopf."
Manche Dörfer standen ganz leer und da, wo sonst Menschen wohnten, wuchs Gras und liefW-ld herum. Der Bauer, den das Lauvsterben verschont hakte, nahm Kriegsdienste, indem eres für leichter hielt, sich unterhalten zu lassen, als Andere zu unterhnlten. Die, welche noch hin und wieder auf dem Laude wohnten, waren Einbrüchen und Strafenraub ausgesetzt. D swe- g-n flüchteten viele, bei Annäherung "eines Heerhaufens, mit ihrem Vieh und wenigen Habseligkeiten in die Walder
und Gebirge. Aber auch hier waren sie nicht völlig gesichert, weil die Soldaten , besonders die Schweben, Hunde mit sich führten, weiche auf das Aufspüren von Menschen abgerichket waren.
Eine sichere Zuflucht für die Bewohner der umliegenden Gegend gewahrte die hiesige Stadt und Festung, die im ganzen Laufe des 50jährigen Kriegs unerobert blieb. Die Volksmenge wuchs dadurch so sehr, daß die Sradtkirche für de» Gottesdienst nicht Raum genug hatte, weshalb dem geflüchteten Landvolk im juristischen Auditorium gepredigt wurde. In der Folge wurde das Ballhaus zur Kirche ( Burgkirche) eingerichtet. Man zählte i» diesem Jahr in der Stadt 304 Verstorbene , wofunker 268 ans den, Hospital waren. Der Gcbohrnen waren es nur 212, und unter diesen waren etwa ein Viertheil Uneheliche. Denn viele Ehen blieben unfruchtbar, das junge Volk lief nach Gefallen zusammen, trennten sich aber auch bald wieder.
Eine große Wohlrhar für manche darbende Familie war die ausnehmend frühe Erndte. Denn schon um Bar- tholsmai fand man um die Stadt keine Frucht mehr im Felde, und auf die Giesser Kirmeß (Ende Augusts) trank man schon neuen Wein. Da an Zugvieh gänzlicher Mangel war, so begnügten sich die Leute, das Feld zu hacken. Andere spannten sich zusammen und pflügten.
( Der Verfolg künftig,)
Edikralladungen.
1.
Da man zur Berechnung und Richtigstellung des Activ- und Passiv,Vermögens des unla.igst mit Tod abge- gangenen Johannes Schneiders und dessen dermal im Skockhaus zu Giesen sitzenden Wiltwe, gcbohrnen Vogelin von


