Ausgabe 
15.9.1810
 
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W ) 146 (

An Meine Mitbürger.

(Die Wucherblume betreffend.)

Da ich in Erfahrung gebracht habe, daß Einige von Euch meine leztere Er- rnahnung theils nicht recht verstanden haben, theils eine umständlichere Beleh­rung wünschen, so will ich noch einmal zu Euch reden, in der Hofnung: ihr rverdet Euch warnen laffen , weil es noch Zeit ist. 1) Die Wucherblume ist eine schöne goldgelbe Blume, die die Form rvie eine Aster oder wie die grose Gans- Llnme hat, nur daß die ganze Blume Lei ihr gelb ist. 2) Sie ist nicht giftig, wird auch von Schaafen und Ziegen ge- sreffen, aber sie ist höchst schädlich, weil sie sich hundert und mehrfältig vermehrt, und also um sich wuchert, woher sie den Namen hat. 3) Was von ihrem Saa- rnen auf dem Felde nicht auskeimr, oder Lurch den Wmd auf benachbarte Aecker geweht, oder bei Ueberschwemmungen uns andre Lander gebracht wird, ver- Lreitet sich sogar durch Kuh- und Pfer- Lemist, auch durch Stroh und Heu, und Lurch das zur Aussaat damit vermengte Korn, wie auch Lein und Rübiaamen auf andre Aecker, und pflanzt sich ge­waltig fort, indem sogar von den Pfer­den, aus solchen Orten, wo dergleichen Wucherblumen vorhanden sind , wenn man mir Pferden die sie allenfalls zur Zeit der Saamenreife unter andern, Fut­ter gefressen haben, ackert, und diese ih­ren Kokh fallen lassen, das Land damit angesteckr wird. 4) Es ist nicht genug, Laß man diese schädliche Pflanze ausja- tet. Man darf sie sogar nicht einmal auf dem Acker .liegen lassen, sonst wur­zeln die Zweige gleich wieder ein, und wenn man damit einmahl verunreinigtes Land auch loIahre unbebaut liegen last, so wird die Wucherblume doch nicht da­durch vertilgt, indem sie zwar lange zu- rückoleibt, aber dennoch nicht vergeht. Der Saame fflini viele Jahre ( nach Ei­

nigen wohl 50 und mehr Jahre) in der Erde liegen, und sich nicht rühren. So­bald aber das Land urbar gemacht, der Saame an die Luft und Sonne gebracht wird, lauft er auf, und der Landmann erstaunt über die Menge gelber Blumen die auf seinem Felde stehen. Dieies Un­kraut zehrt denn auch das Land recht aus , wie man an den magern Sommer- früchten, die auf solchen Feldern stehen, sehen kann. Ich habe sie sonst äusserst selten , kaum Hw und da eine Pflanze an- getroffen. Jzt nimmt sie gewaltig über­hand, bei der Eulenburg, gegen die schwarze Lache:c. auf den neuen Wall­stücken, überhaupt in Neurottland. Daß auch Landesregierungen das Unglück, welches dieses Unkraut nach sich ziehen kann, ihren Uuterlhanen zu ersparen ge­sucht haben, davon giebr folgende un­ter dem igien Nov. 1783« erlaßeneEhurf. Braunschweigische Verordnung , einen Beweiß.

Die Zeit der Ausrottung rst ab­sonderlich aledann wohl wohrzunehmen, wenn nasses Wetter eingefallen und die Wurzel im Lande los ist. Begäbe sich aber eine anhaltende Dürre; so ist mit dem Ausjälen dennoch nicht anzustehen, bis das Kraut ganz in die Blüte geschla­gen , sondern es sind sodann die frühen Morgenzeilen, wenn vieler Thau gefal­len und ter Erdboden feucht geworden ist, gebührend dazu in Acht zu nehmen. Das solcher Gestalt ausgezvgene Kraut und Blumen, ist sofort in Abörter tief zu vergraben und mit Erde zuzuwcrfeu (taugt nichts,) oder zu verbrennen,und möglichst dahin zu sehen, daß zur Fortschleppung des Uedels nicht hunger worfen werde oder offen liegen bleibe. Gleich daun auch in den Hecken und an andern Orten stehende Wucherblumen ebenfalls mir Fleis ausgezogen werden müssen.

( Der Verfolg künftig.) Polizei