Ausgabe 
31.12.1808
 
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V% V von den

«rsten Grundsätzen der Rinderzucht.

(Verfolg.)

ES ist, die Wahrheit zu gestehen, in unfern Zeiten leider weit schwerer, jun­gen Leuten nur einen geringen Grad von diesen Tugenden beizubringen, als sie ihre Sprache zu lehren, nnd unendlich schwerer, als es für die Griechen und Romer war, title die grvsen Thaten zu rbun , wovon ihre Schriftsteller reden. Es ist hier nicht der Ort, alle diese Schwierigkeiten zuerzählen. Die größte von allen ist diese, daß die Kinderzucht in unser» Tagen so sehr versäumt wird, als sie damals geachtet ward, und daß das allgemeine Verderben gros genug ist, um in unfern Gesellschaften alles schnell wieder niederzureissen, was man in eini­gen wenigen Familien hat anfbauen kön­nen, Aber wenn niemand eher anfan­gen will , als wenn alle anfangen, wenn jeder^ warten will, bis die ganze Welt sich ändert, so wird gar nichts daraus, -Wir haben so manche unglückliche Ver­suche gemacht, die weit weniger wichti­ges zur Absicht hatten. Laßt uns doch einmal in der Kinderzuchr etwas lhun. Es liegt vielleicht blos am Mangel an solchen Versuchen, daß die übrigen Mit­tel nicht glücklicher gewirkt haben ; denn der Ausgang der besten Anschläge kömmt doch zulezt auf die Leute an , die sie aus- fühken sollen, und ohne gute Leute hel­fen alle Reichthümer uns nichts. Man mache doch nur einmal Versuche: wir haben die Erfahrungen so vieler Natio­nen vor uns; und wenn sie auch alle fehlfchlügeu, so verlieren wir doch nicht viel dabei. Wir können 'nicht verderhker werden, als wir sind.

Die Hauptregeln sind folgende. Wir müssen alle sinnliche Empfindlichkeit, so

viel möglich, z» schwachen und zu ver­mindern, und sowohl dem Leibe, als der Seele Kräfte zu geben suchen. Unsre Trägheit ist eine Wirkung unsrer Schwa- che und Wollust. Eine genügsame Seele E" ^?entstarken Leibe liebt Arbeit und Wirksamkeit. Eine wollüstige Seele hin­gegen, die in einem empfindlichen und verzärtelten Körper wohnt, kann nicht, wenn sie auch wollte. Um der Seele und dein Leibe die gehörige Stärke wieder zu ver,chaffen, ist es nicht genug, daß wir uns in Acht nehnien, in jungen Leuten solche Begierdenentstehen zu lassen, die

1,1)11 Natur haben; wir müssen auch suchen, denen vorzubeugen, wozu eine schwache Natur sie verleiten könnte. Wir muffen auf eine vernünftigere Weise von Kindheit an ihre Leiber so abzubär- ten suchen, daß sie sich nut den allernö- kdlgsten Dingen begnügen lassen, und Schmerz und Mangel ertragen können» pi" voir dem Körper diese Starke ver- jchaffen, geben wir zugleich der Seele eine grose Gewalt, und es kömmt nach­her auf uns an , derselben eine Richtung zu gebe«, wohin wir wollen. Aber vor fuem. keine gewaltsame Mittel, keine

e Un*) plözliche Veränderungen. E<rs in der physischen Erziehung verse­hen worden, oder vielte chr zu unfern Zei­ten unmöglich ist, das müssen wir durch die moralische wieder herzustellen suchen. -Liese gtebr uuö manche Mittel, der Ver­nunft das Uebergewicht über die Degser- deu zu verschaffen. Soviel wir an na­türlichen Krälten und gewissen bürgerli­chen Einrichtungen gegen die Alten ver- liercn, so viel gewinnen wir gegen sie durch Hülfe der Religion und der Wis- senschüfken ; trenn wir jene nur nicht dazu misbrauchen, daß wir die natürlichen Mittel verachten, noch unS so.sehr auf bie Wissenschaften verlassen, daß wir die tauglichen Uehungen derselben und ihre Anwendung in den gesellschaftlichen Un-

, tmt?