Ausgabe 
4.6.1808
 
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Gedanken von der Geneigtheit, das Rose eher als das Gute von andern zu glauben.

(Verfolg.)

Indessen ist eS bekannt , daß die Menschen oft febr schmeichelhafte Gedan­ken von sich Naben, und etwas, was sie an andern für ein groses Verbrechen an- fe'bn , an sich selbst dafür nicht wollen gelten lassen.

Doch wenn die Leichtgläubigkeit in Ansehung des Bösen sich blos in diesen Schranken hielte, so würde der Schade, der daraus erwächst, kaum anmerkungs- werrh seyn. Stelle ich mir aber den Leichtgläubigen in seinen anderweitigen Beschäftigungen vor, als einen Men­schen , der eine Fertigkeit hak, immer das schlimmste von andern zu glauben, ohne daß er dazu Grund hat, so erblicke ich an ihm einen solchen, der die Tugend und deren Belohnung hindert, und so» wohl in der Religion, als in demStaate grosen Schaden anrichten kann.

Wer geneigt ist immer das Schlimmste zu glauben, kann in der Religion viel Böses zu seiner und anderer Verwirrung anrichren. Er darf nur die Scbemgründe hören, womit die Feinde der Religion daS Gebäude derselben zu untergraben suchen, so nimmt er solche schon vor gewiß an, weil diese» mit seiner Neigung das Schlimmste von allen Dingen, ohne Un­tersuchung zu glauben, überein ko'nmt.

Sehe ich das qesellschaft iche Leben an, so finde ich immer mehr, daß die herrschende Gewohnheit, das Böse eher, als das G ilt von andern zu glauben, eine Quelle mancherlei Unordnung fei). Es kommt vieles in dem gemeinen Le­ben darauf an, daß andre Achtung für Mite hegen, und uns als Menschen an- sehu, bl« etwas Gutes au sich haben.

Ein Tugendhafter handelt daher nicht unrecht, wenn er sich so verhält^ daß das Gute, so an ihm ist, auch andern bekannt werde. Diese Liebe ist unfchul» big, und der würde eine Quelle der Tu­gend verstopfen, der dieses bestreiten wollte. Ist es nun billig, daß die Tu­gend belohnt werde, so ist nichts waS dieses mehr verhindert, als die Leicht» glaubigkeit in Ansehung des Bösen. Wer dazu geneigt ist, der sieht nicht auf un­ser Gutes, und wenn er es auch verken­net, so ist er recht geschäftig, lolches zn verringern und zu unterdrücken, weil ihm dasselbe an andern unleidlich ist. Re­det man daher von den Tugendhaften, so macht er nicht die Tugenden , sondern die Fehler und Schwachheiten der Tugend­haften zum Inhalte seiner Gespräche, und diese weiß er auf eine solche Art vor- zurragen, daß bei andern die Achtung gegen die Tugendhaften verringert, und also auch oftmals die Belohnung dersel­ben gehindert wird.

( Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen.

l) Der Handelsmann Salomon Löb albier har beim hiesigen Königlichen Tri­bunal erster Instanz um eine Commission gebeten, die seine Vermögensumstande untersuchen , nöthigenfallS diejenigen, welche Forderungen an denselben hatten, vorladen, und ihnen wegen weiterer Zah­lungsfristen oder eines etwanigen Accor- des Vorschläge tbun solle, um auf diese Art wo möglich eine gütliche Vereinigung zu Stande zu bringen.

Da mir nun durch ein Rescript vom 2;ten dieses Monaihs eie gebetene Com­mission ertheilt worden, so werden auf Verlangen des Salomon Löb samn.tliche Gläubiger desselben hierdurch aufaesor- dert, alle ihre Ansprüche :n dem auf Mon­tag den 27ten Junius dieses Jahrs Vvr- »MtagS 9 Uhr bestimmten Termine bei mir