Ausgabe 
28.2.1807
 
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Erklärung des Unterschieds der Weis­heit und Gelehrsamkeit.

(Verfolg.)

Es ist freilich nicht alles Wahre von gleichem Werthe; aber dieser ist manch­mal so gering und so uichtsbedeutend, daß er für gar nichts zu achten ist, und der (gelehrte, der mit solchen geringfü- gig.en Dingen seinen Verstand ängstlich anzufüllen sucht, ist so weit von der Weisheit entfernt, daß er mit weit meh- rerm Rechte den Namen erneS Thoren führt.

Ist es nun Pflicht eines Weisen, sein eigen Wohl zu befördern, und ist dies wirklich unmöglich, wenn nicht eine beruhigende Uederzeugung von einigen And zwar den wichtigsten Wahrheiten der Religion in der Seele ist, und findet keine wahre und dauerhafte Glückselig­keit stakt, wenn man nicht nur die Tu­genden kennet, sondern auch ausübet; so ist ein jeder Gelehrter, er mag eine Wissenschaft zu seinem Metier machen, welche es immer fet), verpflichtet, jene Uederzeugung und Gewisheik in sich her- vorznbringen und die Grundsätze der Tu­gend zu den Bewegungsgründen aller seiner Handlungen anzunehmen. Ob aljo gleich manche Wissenschaften wenig oder- gar nicht mit Tugend und Religion in Verbindung stehen ; so bleiben doch die, deren Hauptbeschäftigungen sie find, Menschen, und weil sie Gelehrte find, so sollten sie vollkvmmnere Menschen seyn, und eben deswegen istdiesePflicht bei ihnen starker als bei gemeinen und ganz unwissenden. Zu unserer eigenen Glückseligkeit gehört auch äusserer Wohl­stand in seiner völligen Ausdehnung ; und ans diesem Grunde handelt kein Gelehr­ter unrecht, wenn er durch seine Wis­senschaft seine äussere Umstände zu ver­bessern sucht, nur, daß er dabei jenen

höher» Pflichten, den Grundsätzen der Tugend und Rechtschaffenheri auf keine Weise entgegen handle. Und endlich macht einen groseu, vielleicht den vor­züglichsten Theil unserer Glückseligkeit ein aufrichtiges Bestreben aus, andern wohlzuthun , und andere nach seinem Vermögen glücklich zu machen. Arbei­tet also ein Gelehrter durch sein Wissen zu einer mehrern Beförderung der wah­ren Religion, zu einer Genauigkeit in den Lehren- zur Vollstandigteitän den Beweisen, zur Widerlegung schädlicher Jrrtbümer, sorgt er, daß sein und d'er Verstand andrer durch erhabne Begriffe von der Natur verfeinert, d.-e Herz zur Tugend erwärmt, der äußere Wohlstand, Ruhe und Sicherheit erhalten und ver­mehrt, der Geichmack gelautert und der Character einer ganzen Nation veredelt werde: so sind diese Kenntnisse practisch und für die Gesellschaft der Menschen in der That interessant, und diejenigen, welche dazu durch ihre Wissenschaft wir­ken , sind nicht blos gekehrt, sondern auch weise; ihre Wissenschaft ist nicht blos ein^SBtrf ihres Verstandes oder ih­res Gedächtnisses, sondern auch des Her­zens , und ihre Bemüdungen gehen auf das Ganze, auf den Vortheil der Men­schen und Gesellschaften.

Dieses Bestreben nach Weisheit er­fordert mehr als Schnlkenntnis, und frühzeitig sollte ein Schüler der Gelehr­samkeit' auch ein Schüler der Weisheit seyn; denn so würde nicht so ost das Eingeständnis desselben gehört werden, daß, wenn er sich mehrere Jahre zurück setzen könnte, er sich einen ganz ander» Plan machen würde, als denjenigen, nach welchem er bisher gearbeitet hätte.

Gewiß, nicht wenige von denen, die sich eine, Lebensart erwähle» , wobei manche