Ausgabe 
22.8.1807
 
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s Erklärung des Unterschieds der Weis­heit und Gelehrsamkeit.

(Beschlus.)

Ist im antern Füllte ein Mensch von Natur mehr wild als herzhaft; so rsts sehr leicht, daß er mehr Ungestümm und Rauhigkeit, als gefällige Achtung gegen * andere, und wenn sie auch weniger, als er sind, an den Tag lege. Er hat noch nicht die Erfahrung, wodurch er am nach­drücklichsten überzeugt würde , daß Nach- gebcn.und Gefälligkeit unumgänglich er­fordert werde, wenn er.sein Glück und Wohlsevn nicht verscherzen will.

ES giebr viele Wege zum Glück und rroch mehrere zum Unglück ; und hier sollte man sorgfältig auf die Erfahrung, eigne sowohl ass fremde, Acht Haven, Welches die Wege zu jenem und die Mit­tel zu diesem sind. Diese Bemerkungen find unstreitig fruchtbarer, als noch so viele svsiematiiche Regel«, welche ge­wöhnlich mehr den Verstand der Men­schen zu beschäffligen, als sie selbst in Wirksamkeit zu setzen pflegen. Wenn man die Lebensumstände von berühmten und gelsonen Männern, deren Ver­dienste es nun werth. oder unwerkh sind, daß sie der Nachwelt gemeldet werden, zu beschreiben, pflegt; so glaube ich es würde vvrtkeilhaft, interessant und der bürgerlichen und gemeinen Klugheit un­gemein beförderlich seyn, wenn man voll­ständig und unparlheiisch die Geschichte kluger uno geschickter Leute, wenn sie auch gleich nickt Gelehrte, oder fogeuannte H-'lden gewes n, mehr bekannt machte. Ader es müßten mchk die Inrriguen ver­schwiegen werden, wider welche fiy ein geschickter Mann hat arbeiten müssen, »der die er selbst gespielt har, um sein Glück, feine Verdienste und seine Ehre Zu erlangen, in welchem lezten Falle es freilich seiner Klugheit «m dein morali­

schen Theile gefehlt hatte, aus welcher Ursache sie auch mehr für Verschiugen- heit und Raffinement als für WeiShftt gehalten werden müste.

Ich sage eS noch einmal, daß dieses Aufmerken auf die Erfahrung durchaus nicht aufgeschvoen werden müsse. Aels ter« und Vorgeietzle sollten frühzeitig die Wirkungen der Lhorheik, des Lasters, der Unwissenheit, aber auch die Folgen der Geichicklichkeit und der Tugenden bei andern, durch sichtbare Exempel ihren Kindern und Untergebenen lebhaft zei­gen , welches sich der Seele und de,on- ders der Imagination tiefer elndrückt, als kraftlose Regeln, die für den Ver­stand gehören; da ohnedem unendlich frü­her und weit mehrere Handlungen nach der Starke der Imagination, als nach der Ueberzeuaung des Verstandes zu ent- fteheu pflegen.

Und weil wir unmöglich ohne feste Ueberzeugung von den vorzüglichnen Theiken der Religion auf eine dancrhasre Gemüthöruhe und Glückseligkeit rechnen können; so muß ich a!^ die dritte allge- merne Regel diese festretzen:

z) Mau überzeuge sich von den vorzüglichsten Religio, swahrhe-ten, die die Grundlage unsers Geistes sind, und man bestrebe sich, mit männlicher Herz­haftigkeit die Vorschrif en der Lugend­lehre zu befolgen. Au jenen würde ich nur dreierlei rech» en , die Lehre von der Prov'denz, die Wahrheit von der' Un­sterblichkeit der Seele, und die Haupt- lebre der eigentlichen ebristltchen Re igjon. Bei aller andern Geschicklichteik muß im­mer das mebrste auf die Vorsehung ge- rechnek werden , und da Niemand bei dem größten Glücke, dessen die meujchliche Natur jezt fähig ist, sich dessen bestän- diger Fortdauer , oder wenn es auch sorts dauern sollte, der unwandelbaren angF- uehmeu EmpfinyuvLeu darüber getrösten rann;