Ausgabe 
6.12.1806
 
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) T94 (

Warnung an Zahn - Patienten, die künstlicher Zahne bedürfen. .

Nachdem eine vieljahrige ausgevrei» tete Praxis mich von den schändlichen Täuschungen, welche Patienten dieser Art von den gewöhnlichen sogenannten Zahnärzten erfahren müssen, und von dem mannigfaltigen Unheil, was diese Menschen durch ihr verkehrtes Verfahren in den meisten Fällen zu stiften pflegen,, überzeugt hat, so halte ich mich für ver­pflichtet, das Publikum darauf aufmerk­sam zu machen, und denen, welche von Leiden dieser Art geplagt werden, meine sichere Hülfe auzubieten. ,

Die von den gewöhnlichen Zahnärz­ten, besonders in Teutschland, fast allge­mein angenommene Methode, künstliche Zähne durch metallene Stifte oder Schrau­ben in die Reste der natürlichen Zahn­wurzeln einzubringen, ist in der Thal die gefährlichste. Jeder Zahn eines Thiers kann nemlich &um Beweise dienen, dnß in jeden Zahn ein Nerve geht; daraus kann alsdann jeder leicht abnehmen, daß ein, ans den Zahnnerven eingesezter. Stift nothwendig einen schmerzhaften Reiz verursachen müsse, woraus Ent zu n- duna, Geschwulst, Geschwüre, F'steln, ia selbst Knochenfraß der ganzen Kinn­lade entstehen können. Und bey dem allen bleibt dieses Mittel doch nur em bloses Palliativ. Dann da in den mei­sten Fallen die Zahnwurzeln angefreßen sind, und vor der Einsezung gewöhnlich nicht dafür gesorgt wird , erst die Canes zu vertilgen, so greift dle'e m der Zahn­höhle immer weiter um sich , dadurch ver­wert der Stift in kurzer Zeit seine Festig­keit, fangt an zu wackeln und der Pa­tient kommt in Gefahr, den Zahn sammt dem Stifte bey dem Essen zu verschlu­cken, was leider L schon viel zu oft wirk-' Uch geschehen ist.

Bey der zweyten Methode, die künst­lichen Zähne mit Golddraht an die be- uachbarten natürlichen zu befestigen, ver­ursacht die Zusammendrehung des Drahts auf dem natürlichen Zahne, daß die, mehr als glasharte, Glasur leicht auf­springt , wodurch der Zahn allmahlig seines Harnisches beraubt und der Ca­rles preisgegeltrn wird. Denn da nun alle Anfälle der kalten Luft, des kalten Wassers, und überhaupt alle schnellen Abwechselungen der Temperatur, den Zahnnerven viel empfindlicher werden, so wird dadurch nur gar zu leicht der Blut­umlauf in den seinen Gefäßen gehemmt, woraus alsdann Entzündung, nebst ih­ren schon erwähnten Folgen, entstehen könnest. Äusser dem verliert der Draht, wenn er so fest zusammengedreht wird, daß der künstliche Zahn nicht wackeln soll, diejenige Nachgiebigkeit, welche er, vermöge seiner Elasticität, haben müßte. Daher folgt der natürliche Zahn dem äusserlich angebrachten anhaltenden Zuge des Drahts, Wirv dadurch a Um a bl ig in feinem Standorte locker, durch die Zu­sammenziehungen seiner Zelle selbst noch vorgeschoben, fangt er an zu wackeln und gehr ohne Rettung verlohren.

Die dritte Methode, künstliche Zahne zwischen die natürlichen, nach Art der Spundpfähle, mit Zwang einzuschieben, hat ganz ähnliche Folgen. Die natürli­chen werden nemlich dadurch in ihren Fächern locker und zum Ausfallen ge­neigt gemacht.

D>e vierte Methode, die künstlichen Zahne an die natürlichen mit Seide zu befestigen, ist hauptsächlich wegen der kurzen Dauer dieser Zahne verwerflich. Denn da der Seidefaden durch die Feuch­tigkeiten des Mundes bald angegriffen und aufgelöset wird, auch einen Übeln Ge­ruch annimmt, so ist der Patient genöthigt.