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Warnung an Zahn - Patienten, die künstlicher Zahne bedürfen. .
Nachdem eine vieljahrige ausgevrei» tete Praxis mich von den schändlichen Täuschungen, welche Patienten dieser Art von den gewöhnlichen sogenannten Zahnärzten erfahren müssen, und von dem mannigfaltigen Unheil, was diese Menschen durch ihr verkehrtes Verfahren in den meisten Fällen zu stiften pflegen,, überzeugt hat, so halte ich mich für verpflichtet, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, und denen, welche von Leiden dieser Art geplagt werden, meine sichere Hülfe auzubieten. ,
Die von den gewöhnlichen Zahnärzten, besonders in Teutschland, fast allgemein angenommene Methode, künstliche Zähne durch metallene Stifte oder Schrauben in die Reste der natürlichen Zahnwurzeln einzubringen, ist in der Thal die gefährlichste. Jeder Zahn eines Thiers kann nemlich &um Beweise dienen, dnß in jeden Zahn ein Nerve geht; daraus kann alsdann jeder leicht abnehmen, daß ein, ans den Zahnnerven eingesezter. Stift nothwendig einen schmerzhaften Reiz verursachen müsse, woraus Ent zu n- duna, Geschwulst, Geschwüre, F'steln, ia selbst Knochenfraß der ganzen Kinnlade entstehen können. Und bey dem allen bleibt dieses Mittel doch nur em bloses Palliativ. Dann da in den meisten Fallen die Zahnwurzeln angefreßen sind, und vor der Einsezung gewöhnlich nicht dafür gesorgt wird , erst die Canes zu vertilgen, so greift dle'e m der Zahnhöhle immer weiter um sich , dadurch verwert der Stift in kurzer Zeit seine Festigkeit, fangt an zu wackeln und der Patient kommt in Gefahr, den Zahn sammt dem Stifte bey dem Essen zu verschlucken, was leider L schon viel zu oft wirk-' Uch geschehen ist.
Bey der zweyten Methode, die künstlichen Zähne mit Golddraht an die be- uachbarten natürlichen zu befestigen, verursacht die Zusammendrehung des Drahts auf dem natürlichen Zahne, daß die, mehr als glasharte, Glasur leicht aufspringt , wodurch der Zahn allmahlig seines Harnisches beraubt und der Carles preisgegeltrn wird. Denn da nun alle Anfälle der kalten Luft, des kalten Wassers, und überhaupt alle schnellen Abwechselungen der Temperatur, den Zahnnerven viel empfindlicher werden, so wird dadurch nur gar zu leicht der Blutumlauf in den seinen Gefäßen gehemmt, woraus alsdann Entzündung, nebst ihren schon erwähnten Folgen, entstehen könnest. Äusser dem verliert der Draht, wenn er so fest zusammengedreht wird, daß der künstliche Zahn nicht wackeln soll, diejenige Nachgiebigkeit, welche er, vermöge seiner Elasticität, haben müßte. Daher folgt der natürliche Zahn dem äusserlich angebrachten anhaltenden Zuge des Drahts, Wirv dadurch a Um a bl ig in feinem Standorte locker, durch die Zusammenziehungen seiner Zelle selbst noch vorgeschoben, fangt er an zu wackeln und gehr ohne Rettung verlohren.
Die dritte Methode, künstliche Zahne zwischen die natürlichen, nach Art der Spundpfähle, mit Zwang einzuschieben, hat ganz ähnliche Folgen. Die natürlichen werden nemlich dadurch in ihren Fächern locker und zum Ausfallen geneigt gemacht.
D>e vierte Methode, die künstlichen Zahne an die natürlichen mit Seide zu befestigen, ist hauptsächlich wegen der kurzen Dauer dieser Zahne verwerflich. Denn da der Seidefaden durch die Feuchtigkeiten des Mundes bald angegriffen und aufgelöset wird, auch einen Übeln Geruch annimmt, so ist der Patient genöthigt.


