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Der Tempel des Glücks. Ei» Traum.

Ich befand mich iir dem Wohnplatze der Zufriedenheit, einem Orte, den die beiden Töchter des Himmels, En fe­hle und Arste, vorzüglich liebten, und dem sie selbst diesen Namen gegeben hatten. Er lag auf einer stillen einsa­men Höhe, und bestand aus einigen ge­ringen, und beinahe ganz leeren Hüt­ten , deren wenigen Bewohnern es an allem dem fehlte , was zur Bequemlich­keit und zum Vergnügen dienet; ohne daß sie diesen Mangel im geringsten em­pfanden. Jede Beschwerlichkeit ward ihnen durch Aretens freundschaftliche und eiunehmende Aufmunterungen leicht, vornehmlich aber durch die Hofnung, welche ihre ernsthaftere Schwester stets in ihnen unterhielt, daß sie bald an ei- 11 en andern Ort sollten verpflanzt wer­den, dessen Herrlichkeit sie nicht genug rühmen konnte. Sie nannte ihn den Tempel der ewigen Glückseligkeit. Er lag, ihrer Erzählung zufolge, oben auf einem hohen entfernten Berge, des­sen Spitze mit lichten Wolken ganz be­deckt war. Obgleich niemand daselbst ein Gebäude erblicken konnte, so trauete doch jeder Eusebiens göttlichem Llnsehen und nachdrücklichen Versicherungen. Jch muß gestehen, daß alles , was ich hier sähe und hörete, zwar im Anfänge kei­nen geringen Eindruck auf mein junges Herz machte; aber die Beschwerlichkei­ten und der Mangel, den die Beschaf­fenheit des Orts mit sich brachte , er­müdeten 'mich bald. Dies hatte die Wirkungen von Eusebiens Verheissungen schon etwas in lyir geschwächt, als ein Gesicht, das meine ganze Aufmerksam­keit auf sich zog, sie völlig unterdrückte.

Ein Gebäude, das vor mir unten in einem Thalelag, worin die lieblichste Abwechslung von allem dem herrschte, was die Natur schönes und reizendes hat, riß alle meine Sinnen fort. Es schien an Pracht nicht seines gleichen zn haben. Der Glanz, womit es bedeckt, und dies Kostbare und Reizende, wovon eS umgeben war, hatten schon meine ganze Seele bezaubert, ehe Eusebie mir sagte, dies sey der Tempel des Glücks.

Sie sagte mir oft, daß sein herrli­ches Ansehn lauter Blendwerk wäre; genug sagte sie mir, daß dieser so präch­tig scheinende Tempel so baufällig wäre, daß ein geringer Nordwind ihn nieder­reissen könnte, dahingegen alle Wuth der Winde den Tempel auf dem Berge nicht wankend machen könnte. Mit welcher himmlischen Beredsamkeit ermahnte ffc mich nicht, ein beständiges ewig wah­rendes Gut, einem kurze Zeit dauren- den vergänglichen vorzuziehen, in Hvf- nung zu leben, und nicht die wenigen Unbequemlichkeiten zu achten, die ihre wahren Verehrer kaum gewahr würden. Sie stellte mir vor, wie schwer und müh­sam cs wäre, in den Tempel hineinzn- kommen, der unten vor uns lag, und daß ich gewiß, wenn es mir gelingen sollte, den obersten Tempel, der dock- allein mein Verlangen und meins Sehn­sucht verdiente, ganz vergessen würde. Bleibe hier! sagte sie zu mir, mit einer beweglichen Stimme, bleibe bei mir, nm deiner Wohlfahrt willen, und der Himmel wird dich stärken. Aber wie der verliebte Dämon von brennender Ungeduld fortgetrieben wird, wenn ihm sein strenger Vater gebietet, die anlok- kende Galathee zu fliehen; so wie sein Verstand zuweilen gezwungen wird, die weisen Erinnerungen des Vaters zu billi­gen, dahingegen sein Herz den leicht- glaubi-