Ausgabe 
12.1.1805
 
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Die Frugalitat.

Eine grosse Eigenschaft berähmter Männer, deren Ruhm aus dem e'nrserü- tcfien Alrerrhume durch eine lange Reihe Jahrhunderte, blS zu uns gekommen ist; eine herrliche Tugend, die eine Quelle bes Reichthums "unö Wohlstandes der Familie, ein Gegengift wider die nagen­den Sorgen, ein unfehlbar Mittel wider den iw Verachtung stürzenden Mangel, wider die beschämende Armvth (.alle Ar- muth und etter Mangel schänden nicht, - wider d s nut eigener Schuld verknüpfte, mithin größte nnd bitterste Elend ist; eine so grose, nützliche, nöthige, moralische Vollkommenheit , findet rn dem Reich- thume unserer Sprache keinen Namen, rrnd darf ich es mit aller Verehrung gegen andre Vorzüge unserer Zeit sagen ? findet in unserm gegenwärtigen Welt- gl ter wenig Verehrer. Hier erfüllet mich rin lebnafter Unwille, und ich werde in die Seele vieler meiner Mitbürger roth. Die qrose Tugend, davon ich handele, war m dem alten Rom bekannter, als in unserer heurigen Welt. Sie hieß Fru- galitas. Sie war das Glück der Men; schen, als ein Atkilms RegnluS noch sei­nen Acker selbst bestellere, nnd vom Staube der eigenen Erde beschmutzt, nein geziert, den Ruf zum Bürgermeisteramt erhielt; als eben dieser grose Mann vom Siege über Cartnago zu seinem Pfluge wieder zurückzukehren wünschte, und ihn die Rübe, die Stille, die Ordnung, die Pflichten feines Hauswesens , mehr rührten, als der ausserordentliche Glanz des bevorstehenden Triumphs, und alles, was der Ehrgeiz Reizendes und Ver­suchendes kennet. In diesem glückse­ligen und güldenen Weltalter war eS da Frugalktät das Wohl, d-e Gefuodheir, die Zufriedenheit der Mensche»r unter­stützte Damals lebten die größten Männer nm Nutzer der Regierung in der

mächtigsten Republik, unter deren Va­sallen auch Könige gehörten, vom Brodie, Feigen, Honigs, Oel, Bohnen, Rüden, Brey, Fleische, und was ihnen ihre ei­gene Wirthschaft darbok. Damals war statt weicher Betten hartes Slrvh hin­länglich, daß Helden Schlaf und Ruhe fanden. Damals kannte die glückliche Welt das Uebel noch nicht, wodurch un­nützer Aufwand, Verschwendung, Mis- brauch des Vermögens, Wollust und Weichlichkeit, die nachfolgenden ehernen Zewen drückten. Könte ein QulocuuS Eincinnaius, ein Eato, und andre Man­ner jener frugalen Zeit, in die weit aus- gebreikslen Sphären der Weichlichteit, der Lüsternheit, der übertriebenen Wol­lüste, der Ländeleyen und Puppenipicle nut veränderlichen Moden der uns nähern Zeiten yinsmbilcken z würden sie denn nicht geglaubt haben, die neuere Welt sey nut lauter Weibern ungefüllt ? Kon­ten sie die Armuth und den Mangel se­hen, die wir mitten im Ueberfluste leiben, die Klagen über Nahrung und Auskom­men hören, die bey reichen Mitteln dazu ausgeschültet werden; könnten sie das zu den wesentlichsten Pflichten der Ge- fellfchast durch Schwelgerey erschöpfte Vermögen, die unnai in liehen Krantheiken, den beförderten frühen Tod, in ihrer Nachwelt wahruehmen und bemerken, was für eine grose Zahl Menschen durch lerb-iche Vater oder Mütter, durch Ehe­männer und Ehefrauen, durch die näch­sten Blursfreunde nut Pracht, Aufwand und Vergnügen ins tiefste Elend gestürzt werden; so würden sie mitleidig glauben: eine feindselige Gottheit habe ihre Nach- Welt verdammt, ihren Witz und Verstand, ihre Güter und Vermögen nur zu eigener Marter anzuwenden/welche die Frnga- lität zu ihrer Glückseligkeit sie hätte kön­nen brauchen lehren.

(IsrisktzWg

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