-r ) 6, ( NM
Die Frugalitat.
Eine grosse Eigenschaft berähmter Männer, deren Ruhm aus dem e'nrserü- tcfien Alrerrhume durch eine lange Reihe Jahrhunderte, blS zu uns gekommen ist; eine herrliche Tugend, die eine Quelle bes Reichthums "unö Wohlstandes der Familie, ein Gegengift wider die nagenden Sorgen, ein unfehlbar Mittel wider den iw Verachtung stürzenden Mangel, wider die beschämende Armvth (.alle Ar- muth und etter Mangel schänden nicht, - wider d s nut eigener Schuld verknüpfte, mithin größte nnd bitterste Elend ist; eine so grose, nützliche, nöthige, moralische Vollkommenheit , findet rn dem Reich- thume unserer Sprache keinen Namen, rrnd — darf ich es mit aller Verehrung gegen andre Vorzüge unserer Zeit sagen ? — findet in unserm gegenwärtigen Welt- gl ter wenig Verehrer. Hier erfüllet mich rin lebnafter Unwille, und ich werde in die Seele vieler meiner Mitbürger roth. Die qrose Tugend, davon ich handele, war m dem alten Rom bekannter, als in unserer heurigen Welt. Sie hieß Fru- galitas. Sie war das Glück der Men; schen, als ein Atkilms RegnluS noch seinen Acker selbst bestellere, nnd vom Staube der eigenen Erde beschmutzt, nein geziert, den Ruf zum Bürgermeisteramt erhielt; als eben dieser grose Mann vom Siege über Cartnago zu seinem Pfluge wieder zurückzukehren wünschte, und ihn die Rübe, die Stille, die Ordnung, die Pflichten feines Hauswesens , mehr rührten, als der ausserordentliche Glanz des bevorstehenden Triumphs, und alles, was der Ehrgeiz Reizendes und Versuchendes kennet. In diesem glückseligen und güldenen Weltalter war eS da Frugalktät das Wohl, d-e Gefuodheir, die Zufriedenheit der Mensche»r unterstützte Damals lebten die größten Männer nm Nutzer der Regierung in der
mächtigsten Republik, unter deren Vasallen auch Könige gehörten, vom Brodie, Feigen, Honigs, Oel, Bohnen, Rüden, Brey, Fleische, und was ihnen ihre eigene Wirthschaft darbok. Damals war statt weicher Betten hartes Slrvh hinlänglich, daß Helden Schlaf und Ruhe fanden. Damals kannte die glückliche Welt das Uebel noch nicht, wodurch unnützer Aufwand, Verschwendung, Mis- brauch des Vermögens, Wollust und Weichlichkeit, die nachfolgenden ehernen Zewen drückten. Könte ein QulocuuS Eincinnaius, ein Eato, und andre Manner jener frugalen Zeit, in die weit aus- gebreikslen Sphären der Weichlichteit, der Lüsternheit, der übertriebenen Wollüste, der Ländeleyen und Puppenipicle nut veränderlichen Moden der uns nähern Zeiten yinsmbilcken z würden sie denn nicht geglaubt haben, die neuere Welt sey nut lauter Weibern ungefüllt ? Konten sie die Armuth und den Mangel sehen, die wir mitten im Ueberfluste leiben, die Klagen über Nahrung und Auskommen hören, die bey reichen Mitteln dazu ausgeschültet werden; könnten sie das zu den wesentlichsten Pflichten der Ge- fellfchast durch Schwelgerey erschöpfte Vermögen, die unnai in liehen Krantheiken, den beförderten frühen Tod, in ihrer Nachwelt wahruehmen und bemerken, was für eine grose Zahl Menschen durch lerb-iche Vater oder Mütter, durch Ehemänner und Ehefrauen, durch die nächsten Blursfreunde nut Pracht, Aufwand und Vergnügen ins tiefste Elend gestürzt werden; so würden sie mitleidig glauben: eine feindselige Gottheit habe ihre Nach- Welt verdammt, ihren Witz und Verstand, ihre Güter und Vermögen nur zu eigener Marter anzuwenden/welche die Frnga- lität zu ihrer Glückseligkeit sie hätte können brauchen lehren.
(IsrisktzWg
Pkann«,


