Ausgabe 
8.6.1805
 
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Die Frugalrtat.

(Verfolg.)

Mit Vergnügen erinnere ich mich ei­nes Zuges der Frugakität an einem Manne, welchen Verdienst und Geburt zu hohen Landeswürden gerufen haben, und wel­chem meine Verehrung seit vielen Jah­ren schon eigen ist, so lange ich nemlich die Ehre gehabt habe, denselben persön­lich zu kennen. Er gab einer Anzahl aus der Nachbarschaft seines in einen la­chenden Zustand gesezten Landgutes ge­ladener Gäste eine Mahlzeit, die bei allem Beifalle der Gaste dies vorzügliche hatte, daß der verehrnngswürdige Wirrh sagen konnte: Meine Herren, ich habe heute das Vergnügen haben wollen, sie allein aus meiner Haushaltung zu bewirthen, und es ist ihnen kein Gericht vorgesezt, welches meine eigene Wirthschaft nicht hergegeben hätte. Würde ein Attilius Regulus nicht eben das gethan und ge­sagt haben? Leuchten uns erst solche Muster vor; o so ist Hoffnung, daß un­sere Zeiten in Ansehung aller Staude fru­gal werden.

Mau werfe mir nicht ein, die Macht der Gewohnheit und des Vorurkheils sey zu stark, etwas aufzuheben, welches man schon langst zum Wohlstände gerechnet hat. Wer herrscht über den Wohlstand, wer bestimmt ihn, und von wem nehmen wir die Regeln desselben her? Sind es nicht die Grossen in der Welt, welchen ngchzuahmen, uiib im äusserlichen Scheine ähnlich zu werden , den Mittlern und nie­drigen Stand ein unwiderstehlicher Trieb fesselt? Eine Dame des Hofes, die in grofem Ansehen stehet, und auf welche aller Augen gerichtet sind, dürfte nur anfangen, Blätter von einem vor Alters heiligen Eichbaume, statt anderer Zier­den des Kopfes künstlich mit ihren Haa­

ren vereinigen zu lassen, und zu tragen, und mit grünem Laube geschmückt, öf- feutlich zu erscheinen; und ich fürchte, daß alle Eichbaume um gross Städte herum bald ohne Blatter da stehen wür­den. Die Grossen sind die Schöpfer des Wohlstandes, und sowol des Guten, welches darin ist, als auch des häusigern unnatürlichen und entbehrlichen, wel­ches man dabei findet. Fangen diese nach der in Händen habenden Macht erst an, in häuslichen Dingen blos auf Natur und Vernunft zu sehen; wie bald wer­den die zur Nachahmung geneigten ge­ringer» Stande auch im Guten und iitt Geschmacke an dem Natürlichen ihre Nachfolger werden? Aber äusser dem, wer gebietet und verbietet im innerlichen Hauswesen? Wer ist daselbst unum­schränkter Herr? Gewiß nicht der Wohl­stand , der vornemlich nur in dem herrscht, was den äusserlichen und gesellschaftlichen Theil unsers Lebens angehet. Im In­nersten des Hauses sind wir selber Her­ren, Könige, Befehlshaber, und erken­nen keinen neben uns, der hier Gesetze giebt.

( Der Verfolg künftig.)

Bekanntmachungen.

i) Da mit diesem Monate die Zel- tungspränumeration des ersten hal­ben Jahrs zu Ende gehet; so ersucht mau das geehrte Publikum , die desfall- sigen weiteren Bestellungen längstens bis zum 24ten dieses zu machen, damit die Zeitungen gehörig verschrieben wer­den können. Zugleich muß man aber auch bemerken, daß eine jede nicht ge­schehene Bestellung, als Abbestellung angesehen werde.

Giessen den 4tenJuni 1805. Landgräfljch Hess. Postamt.

r) Nach-