Ausgabe 
7.9.1805
 
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mich kein Blendwerk betrugt, auf eine betrübte unb beugende Art, in kurzem die Noth und der Mangel thun , und wir werden hierbei , wegen des erlittenen Zwangs keinen Ruhm der Tugend, son­dern den innerlichen Vorwurf der Knecht­schaft haben. Die Preise der JDingc schwingen sich mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit immer höher. Wer nur zehn Jahr denken kann, weiß und siehet es. Der Kaufmann setzt nicht mehr zu seinem Zweck, zu leben und auszukom­men, sondern reich zu werden. Seine ganze Wissenschaft vereinigt sich in zwei Hauptsätze, die beide daß Publikum um so viel mehr drücken, je glücklicher sie ausgeübt werden; wohlfeil einkaufen, theuer verkaufen ! Die Einnahme der mehreften verhalt sich nicht nach dem täg­lichen Steigen der Preise; sie ist an sich immer einerlei, und das Gegentheil des vorerwehnten kaufmännischen Grundsa­tzes : wenig Einnahme, und viel, ja täglich vermehrte Ausgaben! Kann hier­aus etwas anders in der Folge entstehen, als daß häusliche Ordnung, Glückselig­keit und Woh.stand zu Grunde gehen müssen? WaS bleibt uns, dieser Folge vorzubeugen übrig, als daß wir anfan­gen unsere Ausgaben zu vermindern, manches entbehren zu lernen, uns mit Wenigen, genug zu seyn , kurz frugal zu werden? Diel Einkünfte sind kein Mittel zum Reichthum oder zur Genüge, wenn damit viel, und solche Ausgaben ver­knüpft, die jenen gleich sind, oder sic wohl gar übersteigen. Es kömmt also im Hausstände schlechterdings darauf an, die Ausgaben nach den Regeln der Fru- galirät zu mäsigen; so kann auch eine ge­ringe Einnahme zu einer Quelle des Reichthums werden.

Ich wiederhole daS Wichtigste mei­nes Vortrages, empfehle es dem An­

denken des Lesers , dem ich die größten Glückseligkeiten gönne, und schliesse:

Freund, willt du glücklich seyn? Be­gehre nicht zu Viel. .

Was die Natur erheischt, sey deiner Wünsche Ziel.

Gebrauche was du hast. O daß dein Gut der Erde _

Nie, der Vernunft zum Hohn, dem Stolze dienstbar werde!

Durch Tugend nur sey groß. Die schöpferische Kunst

Der neuern Modewelt, durch Puppens spiel und Dunst,

Des Lebens Nothdnrft so, wie seine Last zu mehren,

Fleuch und verfluche Freund ; laß dich die Weisheit lehren

Dir selbst genug zu seyn; des Glückes Gnüge lacht

Nur Weisheits Schüler an. So ist dein Glück gemacht. Wenn Armuth, Mangel, Noth izt über unsere Zeiten

Ihr eisern Joch erhöh'», und ihren Fluch verbreiten.

Bekanntmachungen.

i) 200 Gulden liegen gegen gericht­liche Sicherheit unb gewöhnliche Zinsen zum Ausleihen parat. Den E'genthü- wer erfährt man bei Ausgebern.

2) Bei Ausgebern steht zu verkau­fen : Archenholz Englanb unb Italien, 5 Theile in 3 Banden, nebst dessen An­nalen der Gritkischen Geschichte, 14 Thle. in 12 Bänben. Earlsruhe bei Schmieder. Sämtlich halb. Franzb. Preis 6fl. 45 fr.

Gottesdienst am 8« Septembr.

In der St. Pancratiuskirche. Mor­gens Herr Professor Palmer. * Nachmit­tags Herr Superintendent Müller.

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