Ausgabe 
7.9.1805
 
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Dir Frugalitä t.

(Beschluß )

Es ist demnach unter denen (im vo­rigen Sluck, in dieser Abhandlung ange­gebenen ) Umständen, sich nicht zu ver­wundern, daß Lüsternheit und verwöhn­ter Geschmack, Eigenschaften vieler also liebreich erzogener Mitbürger werden. Das Kind weint, und ziehet sein kleines Köpfchen auf. Es will sich nicht beru­higen. Man thut seinen Willen; und es wird ruhig. Das anderemal weint es noch heftiger. Das driltema! thut es noch ungeberdiger. Man freuet sich ein so böses Kind besänftiget zu haben. Allein das Kind lernt also denken: wenn ich weine und den Kopf aufziehe, so commandire ich die ganze Welt, denn alles lauft und arbeitet alsdenu, mich zu befriedige:'. Ist es Wunder, daß Stöcke und Ruthen so starke Bedürfnisse des kindischen Alters werden, um durch unangenehme Empfindungen den Un­grund des vorigen Schluffes aus dem Köpfgen heraus zu demonstriren, und es diesen Satz fassen zu lehren : Gehor­sam und Folgsamkeit geht bei einem Kinde über alles. Ich bin aus eigener Erfah­rung überzeugt, daß alle Schlage, wel­che meine Kinder von mir empfangen, Folge des verkehrten Wesens ihrer Wär­terinnen gewesen sind, und ich hätte sie jederzeit mit weniger Unwillen diesen ge­geben , wenn ich jene dadurch batte des« fern können. Ja ich bin versichert, daß Kinder ohne alle Schlage erzogen wer­den könnten, ( welche ohnedem sich zu keinem andern Alter passen, als zu dem, da aus Mangel und wegen Unmöglich­keit vernünftiger Vorstellungen und Gründe, Empfindungen das einzige sind, was ein Kind zu unterscheiden vermag), wenn von seiner Geburt an alle Klugheit und Vorsicht an ihnen beobachtet, und

nichts, was Folge haben kann, bei ihm zur Gewohnheit geworden wäre. Doch diese Bedürfnis kann allenfalls die Frn- galität dulden. Denn man schlagt nicht mit goldenen Stöcken, und Ruthen von Silber. Man steckt ein Kind in ein neues Kleid, welches man ihm längst als einen theuren Lohn seines Wohlverhal­tens versprochen hatte. Man bewun­dert cs, man nennt es schön, und der kleine Abgott wird ohne Unterlaß ge­küßt, und an die Brust gedrückt. Kann dies Kind ohne ein Wunderwerk, in er­wachsenen Jahren anders als eitel, zum Pracht geneigt werden? Muß es nicht natürlich alle feine Vorzüge in Kleider setzen lernen ? Und macht man ihm nicht alle Bedürfnisse der Eitelkeit eigen 3

Um nicht zu weitlauftig zu werden, muß ich das übrige dem Nachdenken des Lesers überlassen, so wie ich bereits in dem vorhergehenden gethan, und die Hauptsatze, die den Karakter der Frn- galilät bestimmen, nur mit wenig E^em- peln erläutert habe. Wollten alle meine Mitbürger nur einige der angegebenen Züge, sich in ihrer Wirthschaft zu Re­geln machen, und z.E. beständig die na­türlichen und nöthigeu von den eingebil­deten und falschen Bedürfnissen unter­scheiden, durch den Gebrauch des Erden­guts niemals Absichten des Stolzes oder der Wollust erfüllen; so bin ich versichert, daß hiedurch eine solche Ersparung würde gemacht werden, die bei den noch immer steigenden hohen Preisen aller Dinge, uns für Mangel in Sicherheit setzen könnte.

e O Klugheit, die du auf Mittel zur Glückseligkeit derer, die deinen Rath hö­ren , bedacht bist; mache doch mich unv alle meine Mitbürger frugal! Denn sonst wird es, wo ich mich nicht sehr irre, und mich