Ausgabe 
23.7.1803
 
Einzelbild herunterladen

« ) II

Von natürlichen und künstlichen Ver­besserungs-Mitteln der Wiesen.

( Verfolg. )

Noch andere Wiesen liegen an Flüs­sen, Strömen und Bachen, welches für sie bald vortheilhaft, bald schädlich ist. Vortheilhaft, wenn das Wasser einen fetten Schlamm mit sich führet, dadurch die Wiesen gedünget werden, welcher Dünger seine Kraft auf den Wachsthum des Grases am besten änssert, wenn die Ueberströmung im Winter bey gelindem Wetterund offenem Erdreiche geschiehet. Schädlich und nachtheiiig aber ist'solche, wenn sie zu der Zeit geschieher, da das Gras schon seine Höhe erreichet hat und gemährt werden soll, indem der Schlamm alsoenn das GraS verunreiniget und fürs Vieh ungesund macht. Mau muß alsdann mit dem Mähen desselben so lange anstehen , bis ein hinreichender Re­gen den Schlamm wieder abspület und das Gras reiniget. Weil aber nicht alles Wasser einen solchen Schlamm mit sich führet, sondern völlig rein ist, sogereicht besonders in trockenen Sommern eine solche Wässerung den Wiesen zur Erqui­ckung. Doch macht sie besonders zur Zeit der Erudte viele Unbequemlichkeit, Mühe und Kosten. In einer noch miß­licher« Lage befinden ft'd) die Wiesen, wenn die Ströme, die sie berühren, viel groben oder feinen Sand, oder auch Steine mit sich führen. Dadurch wer­den sie oftmals so unbrauchbar gemacht, daß Jahre dazu erfodert werden, ehe sie wieder in Ordnung kommen.

Nach der Verschiedenheit der Wie­sen ist nun auch das Gras, welches darauf wächst verschieden. Denn die auf den Anhöhen und Bergen gelegenen Wie­sen bringen gewöhnlich ein weit besseres Futter hervor, als die in den Gründen,

s c

Thälern und Tiefen« Jener ihr Gras ist zwar selten so lang, als es in den niedern Gegenden wächset, und daher betragt es in der Menge anch weniger, als das man von den tiefgelegenen ernd- ten kann; allein das mindere hat auch große Vorzüge vor jenem. Es wächst gewöhnlich dichter, ein schönes Grund­gras, mit kurzwachsenden gesunden Kräu­tern durchmenget und ist kräftiger, nahr­hafter und wohlschmeckender, als des lange und harte, eine wahre Delikatesse für die Thiere.

Zuweilen sind indessen doch die Bergwiesen auch schlechter, als- die nie­drigen und flachen. Denn im Sommer, wenn es in ein paar Monaten nicht reg­net, trocknet der Wind und die Sonne die Wiesen ganz aus, das Gras höret auf zu wachsen, die zarten Keime ver­dorren , und erfolget kein Heu.

An einigen Orten haben Verschie­dene auch das Recht, die Wresen deS LandmanneS hu Frühjahr und nach der Hencrndre mit ihrem Vieh betreiben zu dürfen. Diese können daher nur einmal gemahet werden.

Andere werden zweymal, km Ju­nius nemlich und in der Mitte des Sep­tembers gemahet, und haben daher vor jenen Herbstwiesen einen großen Vorzug. Man nennet sie Grummet- oder Gram­me - Wiesen.

Andere sind befriedigte Wiesen, und diese sind die allerbesten, weil sie so we­nig im Frühjahr, als im Herbste mit Vieh betrieben werden dürfen, es wäre denn, daß man den Nachwas vom Grase mit eigenem Vieh abweiden wollte.

Einige Wiesen haben die vortheil- hafte Lage, daß sie von allen Seiten mit artbaren Ländereyen umgeben sind; an­dere