Ausgabe 
13.12.1800
 
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Vom

Begiesen der Gartengewächse.

Das Begiesen der Gewächse kann nach Umständen schädlich ober vortheil- hift seyn. In Ansehung der Jahrszeit ist ein Unterschied zu beobachten. In den Abendstunden ist es am vortheikhaf- testen: denn da sind die Pflanzen am meisten geschwächt, und bedürfen einer Erquickung. Auch wachsen sie zur Nacht- zeit bekanntlich mehr als am Tage. Soll­ten aber noch Nachtfröste und Reife zu befürchten seyn, so würde das Begiesen des Abends mehr Schaden als Nutzen bringen. In diesem Falle kann es des Morgens, und in den späten Herbst - eher in den ersten Frühlings-Tagen, in den Mittagsstunden geschehen : denn zu den Zeit dringt die Sonne noch nicht, ober nicht mehr so stark in den Boden. Hingegen bekommt das Begiesen des Mittags im heisen Sommer den Pflan­zen eben so schlecht, als ein kalter Trunk einem erhizren Menschen.

Die Unterlassung des Begiesens, wenn die Pflanzen desselben unnmgäng- lid) bedürfen, bringt grosen Nachtheil, eben so vielen ja noch grösern Schaden aber bringt ihnen das überflüssige Begier fen. Ist der Boden schwer, so wird seine Oberfläche dadurch so fest und bin­dend, daß der gesäere Saame entweder gar nicht anfgebt, oder wenn er aufgeht, und das überflüssige Begiesen fortdauert, wird das Land in der Tiefe so fest, daß die zarten Wurzeln nicht du'rchdringen können. Cie bleiben im Wachsthum'zu- rück, 'werden gelb , und verderben end­lich ganz. Geschieht dies bei Pflanzen, die erst nach einiger Zeit, oder gar-nicht versezt werden, so ist alle Hülfe verge­bens : denn das einzige Mittel, das Auflockern des Bodens ist hier wegen des engen Raums nicht anwendbar. Grose

Pflanzen gerathen auch leicht bei allzu starikm Begiesen in Wurzel-Faule, welche sich durch eine kränkliche gelbe Farbe der Blatter verrath. Dann ist Nichts mehr übrig, als das Begiesen logleich einzustellen, und durch flcisiges Behacken der Feuchtigkeiteinen Ausgang zu verschaffen. Sind die Blätter der Pflanzen einmal so groß geworden, daß sik den Boden beschatten, so können sie sich selbst beschützen, halten den Boden feucht,. und bedürfen nur bei anhalten­der Dürre des Begiesens. Auch können manche Gewächse die Nässe gar nicht wohl vertragen.

Daß aber ein sandiges Gartenland off er begossen werden müsse , als ein schweres, versteht sich von selbst.

Alle frisch versezte Pflanzen, beson­ders wenn sie schlecht bewurzelt sinb, müssen des Abends begossen werden, da­mit sie Stärke genug erlangen, der Hitze des folgenden Tages zu widerstehen. Dieses Begiesen muß auch so lange fort- gesezt werden, bis sie durch ihre neu an- gesezte Wurzeln mehr Nahrung erhalten können, ober bis ein Regen das Begier fen entbehrlich macht.- In sehr trocknen Sommern ist aber auch solchen Pflan­zen, die nicht erst frisch versezt sind, das Begiesen nbrbig, weil der Boden öfters tiefer anstrocknet als bie. Wurzeln rei­chen , indem er Sprünge bekommt.

Bei dem Begiesen nimmt man den Sprengkolben ab, und gieset aus dem Rohr um die Pflanze so viel Wasser als ndthig ist. Wo aber die Pflanzen dicht sieben, geht dieses nicht an, sondern da last man das Wasser wie einen Sprüzre- gcn durch den Sprengkolben aus das, Beet fallen. Wie viel Wasser uöthig sey, zeigt die Natur des Bodens und seine Dürre. Das beste Wasser aber ist wei­ches,