Ausgabe 
1.11.1800
 
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"Verfeinerung Des Flachses vor dem Spinnen,

Verfolg.

Hat man kein Molkenwasser, so macht man sich sauer Wasser, indem man unter frisches Wasser so viel Vitriol- saure tröpfelt, dasi es etwas saurer als Molke schmeckt. In diesem Sauerwas­ser last man den Flachs eine Viertel­stunde liegen. Noch besser bereitet man dieses Wasser mit Vitriolöhl.

Ist nun der Flachs völlig trocken, so wird er geklopft. Dies geschieht durch hölzerne längliche, an beiden Enden breite, aber nicht scharfe, sondern ein wenig gerundete Schlegel, auf starken hölzernen Blöcken mit der Hand. Man legt eine Handvoll Flachs nach der an­dern auf den Block, dreht sie während des Klopfens beständig herum, schlägt mit dem Schlegel Anfangs starker, her­nach immer schwächer darauf, so lange bis man sieht und spurt, daß der Flachs seine groben holzigen Theile meist, hat fallen lassen, und ganz weich geworden ist. Alsdann hörtman auf, legt den ge­klopften Flachs auf die eine Seite, und nimmt von der andern wieder eine Hand­voll frischen. Das Klopfen muß über­haupt sanft, und gerade nur so stark seyn, als es die Feinheit des Flachses vertragt.

Nun folgt das Hecheln. Zu ge­wöhnlichen Arbeiten wird der Flachs nur zweimal, zu den feinsten, dreimal gelrechelt. Man hat in diesem Falle 3 Hecheln, immer eine Sorte feiner als die andern, dabei giebteö nunAbwergk,. welches man bekanntlich in den neuesten Zeiten, zu feinem Vaumwollenartigen Zeugen hat verarbeiten lernen.

c) Endlich die dritte Methode hat

der H. Grafen von Herrsch zuerst so

mitgekheilt, wie er sie von ihrem unge­nannten Erfinder erhalten hat. Cie ist einfach , kostet gar Nichts, und man wird sie nun auch in Sachsen probiren, und den Erfolg davon bekannt machen.

Mau nimmt den rein gehechelten Flachs, und binbet so viel man kann, in weise Sreifleinewand, ( Steifschetter) welche man Jahre lang auf diese Art gebrauchen' kann. Dieser eingerollte und mit einem Bindfaden gebundene Flachs wird auf lgTage in einen feuchten Kel­ler gelegt, und nicht angernhrt. Sind diefe verstossen, so ösnet man die Bün­del, nimmt, ben Flachs heraus und rollt ihn unter einer mit Steinen beschwerten Waschwange, worauf man ihn durch ei­nen feinen messingenen Kamm kämmet. Man mangt und kämmt ihn dreimal, und bei jedem Mangen, rollt man ihn sechsmal. Die z Kamme sind von stei­gender Feinheit, und so erhalt man ei­nen so feinen und zarten Flachs, wel­cher fast der chinesischen Seide nichts nachgiebt. Es geht zwar mehr als der dritte Tdeil ab, aber das Wergk ist un­endlich besser als das gemeine/ und zu Haus - Leinewand dienlich.

Nach jeder Kammung, befonders nach der ersten, sind einige Theile des Wergks so klebend, daß sie zwischen den Fingern hangen bleiben, und die Haare des Flachses sind geprest und flach, er­halten aber wieder ihre Rundung durch jede Kännnung.

Den ganz feinen hat der Hr. Gras oft den besten Seidenketineru bet verbun­denen Augen gegeben, und sie konnten nicht errathen, in welcher Hand die Seide, und in welcher der Flachs war. Aus diesem Flachs können die feinste» niederländischen Spitzen, und Materien gewebt werde», die alle seine Battiste übertreffen.

Etwas