Ausgabe 
27.2.1770
 
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und Nachrichten- O

wird sich freylich die wenigste Zeit über besinnen, wo der gute Gedanke her rst, zumal wenn man viel gelesen hat: Aber, und dieses ist das meiste, man wird dadurch in den Stand gesetzt werden, eine jede Begebenheit, so trocken sie auch ein Schriftsteller ausgezeichnet bat, mit eben den Augen jener großer Geister anzusehen, und in der Geschichte selbst zu denken. Man wird seine Zuflucht nicht zu geborgten Sittenlehren und Maximen andrer nehmen müssen, sondern sich selbst stark genug fühlen, diefelbige auf eine ungezwungne Art aus den Begebenheiten , die man vortragen soll, herzuleiten. Und wenn man einmal auf dieser Spur ist, und hernach eine gehörige Belesenheit damit verbindet, damit man nicht durch falsche Wen­dungen und Erdichtung die Geschichte aus eignen Einfallen vorstellt, so wird dieses Geschäfte so schwer nicht werden.

Obige angeführte und andre Bücher dieser Gattung ließt man also aus einer gedoppelten Absicht: einmal um die darinnen enthaltne Sachen zu wissen': und zum andern um ihnen die Art und Weise abzulernen, wie man Begebenheiten nützlich und brauchbar vortragt, oder, mit einem Wort, den wahren Geist der Geschichte kennen zu lernen, welches letztere, zumal bey manchen alten Schriftstellern, wo uns die Sachen selbst oft nicht sonderlich mehr reitzen, das wichtigste ist. Diese Leute verstehn die Kunst uns die geringste Kleinigkeit, die sie vortragen , interessant reitzend und rührend zu machen: Dieses muß man ihnen ablernen, und sich recht rief einpragen, wenn auch gleich die Begebenheiten, die sie vorbringen, wegen der Entfernung der Zeiten und Länder nicht alle in gleichem Grad erheblich mehr seyn möchten. Wenn man hernach die mittlere und neue­re Geschichte, insonderheit die Geschichte des Vakterlands, jungen Leuten Vorzutragen hat, so mache man von denjenigen was man aus den Alten und Ausländern gelernt hat, einen guten Gebrauch: Aber man hüte sich dabey, daß man durch jenen guten Geschmack der Geschichte nicht so ver­wöhnt wird, daß man einen Chronickschreiber mittlerer Zeiten oder einen trocknen Deutschen Sammler, zu welchen man doch auS Ermangelung besserer Werke noch unendlich ost feine Zuflucht wird nehmen müssen, nicht auch noch lesen könnte. Nimmt man nicht zuweilen auch mit ganz schlech­ten und rauhen Speisen vorlieb, wenn man gleich an etwas befferS ge­wöhnt ist? Oft treibt unS die Noth dazu, wenn wir auf Resten sind, oft rhun wir es mit Willen, um abzuwechseln, und hernach unfte gewöhnli­che Speisen mit desto größerm Vergnügen wieder zu schmeckest;

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