3io Giesirsche wöchentliche gemeinnützige Anzeigen
chen Kirche nothwendig war, daSjetzt anders sei-n muß, und daßdamalS manches nicht anderst seyn konnte, das man hernach billig andern muste. Wie gut wäre es, wenn die Geistlichen eben so gut wie der Apostel Paulus Teppiche machen könnten! Dieses würde ihnen vielleicht mehr emtra- gen, als eia grostr Theii von ihnen von dem Amt selbst zu gewarrm hat.
Eine niedrige Geburt ist auch gemeiniglich mit einer schlechten Erziehung verknüpft. Ich rede nicht von der Erziehung im moralischen sondern politischen Verstand: denn die erstere , kann durch den Unterricht und durch Bücher verbessert werden, wiewohl auch nicht zu leugnen i|t, daß nicht selten auch darinnen die ersten Fehler anzuhangen pflegen. Aller» die letztere erfordert Umgang und Gelegenheit. Wenn ein Mensch von tinem Bauren oder höchstens Bürger emes kleinen Skaotgens abstammt, und sein Tage nicht in Gesellschaft artiger oder vornehmer Leute gewesen ist, wie ist es, wenn er nicht ein groser Geist ist, fast möglich, daß er die Sitten, Gebrauche, Cerimonien, und andre große Kleinigkeiten dsr grö- ßern und feiner» Welt erlernen kann? Daß er nicht erschrickt und verwirrt wird, wenn er mit einem Mann von Stand reden soll? daß er sich in der Gesellschaft in den Compiimenten, bey Gastmahlen, oder sonjiwo fo bef trägt, daß er nicht den Lackayen zum Gelächter wird: uud daß er endlich alle seine Anspielungen, Wendungen und Spöttereyen in der Sprache des Hofes, der großen, und der artigen Welt verstehen , merken , und mit Klugheit und Bescheidenheit, mit Höflichkeit und Nachdruck von sich ablehnen kann ? Muß der geschickteste und redlichste Mann nicht oft deswegen in Verachtung fallen, wenn er die Art in der Welt zu leben, nicht gehörig innen hat? Und wo hat er sie lernen sollen? Auf Schulen, bey seinen ungezognen Cameraden? Auf Universitäten, wo man vielleicht lernt, biß zur Beleidigung andrer Leute ftey zu seyn? In der grosen Welt? wer hat ihn gewürdigt m Gesellschaften zu ziehen? Hatte er auch wohl eine Kleidung, daß er darinnen erscheinen konnte? Oder hatte er wenigstens Muth und Geist genug, solche Gesellschaften zu suchen , wo er den Umgang hätte lernen können? Es ist also sehr begreiflich woher es kommt daß die Sitten von so viel Geistlichen rauh und ungeschliffen sind. Wenn geringe Leute ihre Söhne studiren lassen, so müssen sie Geistliche werden: wenn em Vatter zwei) Söhne bat, davon der einemunter ist und Verstand zeigt, so.bestimmt er ihn zu einer weltlichen Bedienung. Der r i andere


