Ausgabe 
24.4.1770
 
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13o GLeffsche wöchentliche gemeinnützige Anzeigen

dann nun daran gelegen, wann man diese Seite läse, und nicht wüste, was ich sagen wollte; ja sage ich, was wäre daran gelegen , wann ich das Phaenomenon auch nicht erklären könnte? Was wird dann der Welt an einer Qnartseite gelegen seyn. Doch ich bin so niederträchtig nicht, daß ich nicht glauben sollte, ich schriebe fürs Publicum, und diesem will ich kühn auf seinen Beyfall, trotz jenem grosen Gelehrten, in meiner schönen, blumenreichen, ja glanzenden Schreibart eine vollkommene Auflösung zu seinen größten Vergnügungen und lauten Beyfall überliefern. Ich erin­nere aber das Publicum, daß ich mich nicht, gleich jenen niedrigen See­len zum Staube herunterlaffen kann; meine Gedanken müssen stets über die Wolken fliegen. Jch werde diese Ursachen in einer rednerischen Stär­ke mit malerischer Lebhaftigkeit in dem schönsten Colorit vortragen. Wenn ich gleich in meiner Schreibart zuweilen sollte fallen, so glaube niemand, daß es aus Mangel des Geistes geschähe, nein nur darum geschiehet die­ses bisweilen, damit ich mich mit bewunderungswürdigem Flug, wie ein Adler in das große Hohl der blauen Sphaere erheben kann; und wenn ich mich ost dunkel ausdrücke, so ist das kein Phoebus und kein Gali- mathias, wie trockene philosophische Köpfe (die kleinen Geister!) geden­ken möchten, sondern, nur darum, damit ich wieder um so viel verständ­licher reden könne; und wenn ich von meinem Vorsatz abkomme, so ist das kein Mangel der Veurtheilungskraft, sondern em schöner Schwung, ei­ne Wendung die nur einem Genie eigen ist, und wodurch ich desto nach­drücklicher wieder zu meinem Vorsatz zurückkehre. Noch muß ich meine Leser, dann zu glauben, daß es mir an denselben fehlen würde, wäre die größte Niederträchtigkeit, ja ich darf wohl sagen meine Bewunderer, dann ein edler Geist fühlet seine Größe, noch sage ich, muß ich meine Bewunderer und Freunde unterrichten, welcher Methode in meiner Ab­handlung ich folgen werde. Dieses ist die Methode unsers Jahrhunderts. Sie wäre würdig von mir erfunden zu werden, wenn sie nur noch nicht erfunden wäre, und in edlem Stolz, gleich einem Alexander, welcher sich über die Eroberungen grämte, die er nicht sechsten gemacht, gerathe ich wie Achilles in einen Heldenzorn, daß sie schon vor mir ist erfunden worden, sonst würde ich sie gewis erfinden. Unsere kluge, einsichtsvolle Welt hat die abgeschmackte scholastische Methode, jede Hauptsache zu er­klären, und richtig zu erweisen, eben als wenn jede Sache nicht an und für sich selbst schon einen Begrif hätte, und jede Wahrheit auf ihren Grün­den als auf goldenen Pfeilern ruhete, längst verdammet. Die Rede muß