Ausgabe 
22.5.1770
 
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X62. Gt'esslfthe wöchentliche gemeinnützige Anzeigen

Es ist nöthig daß man auf das zufällige damit verknüpfte Gute oder Schädliche/ welches gemeiniglich damit verbunden ist, fein Augenmerk richtet. Dann eine Sache, weiche an und für sich betrachtet, ganz gleich­gültig ist, kann dadurch böse oder gut werden;, nachdem die damit ge­meiniglich verknüpften zufälligen Umstände mehr gut oder böse sind.

Wollen wir diese Frage auf der ersten Seiten beleuchten , so muß solche daraus entschieden werden, ob der Dienst welchen ein Prediger dem gemeinen Wesen leisten soll, der Besorgung einer Ökonomie , womit Ackerbau verbunden ist, widerspreche. Jener besteht darinn, daß er die Lehren und Pfi-chten der Religion dem Volk auf das möglichste emschärfe. hier­zu gehöret Zelt, Ueberlegung und Kenntnis der Zuhörer. Soll hier ein W-ederspruch seyn, so muß diese ökonomische Besorgung entweder die gehörige Zeit rauben, oder die nöehige Neberlegung/ oder auch die Aennrms der Zuhörer hindern. Keines von dielen dreyen Stücken geschiehet nothwendig. Alle Zeit und Ueberlegung unmittelbar auf Amts­geschäfte zu wenden ist nicht möglich. Es würde gerade Die Absicht verei­telt werden. -Ohne Erholung wird kein Werk, das Ueberlegung erfodert, mit einiger Vollkommenheit zu Stande gebracht werden. Arbeiten des Geistes und der Einbildungskraft erfodern solche am meifien. Worum kaum nun die Zeit der Erholung anständiger gesetzt werden, als in Be­trachtung und Besorgung der Produkte der Natur? Man hat eine falsche Einbildung von der Landesökonomie, wann man glaubt sie erfodere unsere ganze Aufmerksamkeit, Man macht nicht alle Tage neue Anordnungen. Die allgemeinen und besondern Regeln der Oekonomic, welche jedem Ort eigen sind, machen diese Anordnungen nicht nur auf ein Jahr , sondern auf viele Jahre zum voraus. Der Kenntniß der Zuhörer und dem vor- theilhaften Begrif welche diese von dem Prediger haben sollen, widerspricht ts auch nicht. @5rünDe davon anzuführen , halte ich um deswillen hier überstüßig, weil unten davon solche sich von selbst einmischen werdens; ich will mich vielmehr zur Bestätigung dieser Stücke auf die Erfahrung be­rufen. Giebt es nicht unter Landleuten Dausväter, welche nebst Be­sorgung ihres Ackerbaues, auch andere Aemter bekleiden? Sind sie gleich nicht so wichtig, so fodern sie doch eine Menge Zeit und Ueberlegungen Grebt es nicht viele rechtschaffene Prediger, von deren Amrsarbeiten, die Ordnung und gute Sitten ihrer Gemeinden das unverwerfilchste Zeugnis CöD ? Würde man ihre vorgesetzten, und andere tüchtige Zeugen, zu ei­nem