und Nachrichten« *2>
entstehet daher noch diese Regel: Mangedenke sich vorher wo nicht alle möglichen/ doch die gewöhnlichsten Gelegenheiten/' wo man in einen Affekt kommen kann/ und denke voraus daran, wie man sich darinnen verhalten wolle/ so werden die Esitschlie/ jungen uns alsdenn beyfalle«/ und wir werdet uns gewöhnen nach und nach über die Bewegungen welche in uns^ vergehen -n- re» flectiren, und also über dieselben zu herrschen.
Diese Regeln wollen wir einigermaßen «lautern. Um sich etwa» vor dem Uebermas des Zorns zu verwahren, so stelle man sich so viel möglich die Gelegenheiten vor, bey welchen man in Zörn gerathen könne. Diese seyen z. E daß man entweder von einem Mann welcher uns kann schaden, oder öoji einem seines gleichen' beleidiget werde. Man überlege' vorher, wie es rathsam seye, daß man mir Aufmerksamkeit das Betragen solchen Mannes betrachte, daß man daraus seine Gesinnungen und die Quellen desselben ganz vollständig abnehmen, und nachdem zu seinem Vor» theil gebrauchen könne; wie es im Gegentheil könne vielen Schaden bringen , wenn man sich gegen ihn vergehe. Diese Vorstellungen präge man sich recht ein, und denke sich dazu die Gelegenheiten, wo sie etwan würden zu gebrauchen seyn. Wenn diese nun vorhanden sind, so werden unS alle diese vorhergehende Entschliesungen einfallen, ihre Aufmerksamkeit auf sich, und von der empfangenen Beleidigung abziehen. So wird man Zeit und.Raum gewinnen zu reflectiren, und den Affekt beherschen. In dem andern Fall denke man vorher, man könne gar leicht bey einem Ausbruch seines Verdrußes sich in ein größeres Uebel stürzen u. s. w.
Könnte man sich nicht leichtlich alle mögliche Umstande voraus gedenken, so fasse man den Entschluß recht fest, man wolle, so bald unS etwas entweder unangenehm oder sehr angenehm rühre, allezeit seiner U^ürksirmkeit Einhalt thun und sie verschieben, indem man dadurch manchen Fehler vermeiden könne Wird man nur mit Ernst wol^ leit/ fo wird man leicht den Anfang können machen , und »nachdem mit Verwunderung sehen, wie man seiner Affekten seye Meister worden. Der Mensch ist vielen Ausschweifungen unterworfen, wenn er aber wi«, so kann er auch viele glücklich vermeiden.


