Sttd Nächrichtttt. zor
dige Kunst zum Schaden seines Nächsten misbrauchen soll: und dennoch thut er es; was kann die Kunst dafür?
Insonderheit verschaffen die Schauspiele eine Gelegenheit, sehr viele Wahrheiten auszubreiten, die sonst nicht so leicht gesagt werden, oder Nicht an die gehörige Orten gelangen können. Was hilft es, daß sie in vielen Büchern sichen, wenn sie niemand ließt? In der Absicht sich zuvergnügen werden die Schauspiele von Hohen und Niedern besucht. Der Vornehme erfahrt oft eine wichtige Wahrheit, die man sich auf eine andere Art wohl schwerlich unterstanden Haden würde ihm zu sagen. Denn was kann man heutiges Tages weniger leiden als die Wahrheit ? Es ist bekannt wie Ludwig der vierzehndte sich das tolle Fahren durch die Straßen von Paris bloß durch eine im vorbcygehn eingestrcute Beschreibung , welche Racine in seinem Britannicus von dem Nero macht, abgewöhnet hat. Geringere Leute bekommen ebcnfals manches zu hören, daran sie sonst nie gedacht haben würden: Und da in den Schauspielen nach und nach all- mögliche Arten von Ständen, Personen, und Charakteren vorgestellt werden, so findet endlich ein jeder etwas, das er in der Anwendung auf sich ziehen kann, ohne daß es den verfaßten Nahmen einer Anspielung auf Personen, wofür viele Leute aus Unwissenheit oder Bosheit alle Satiren überhaupt zu halten pflegen, an sich trägt. Wer dieses vor unerlaubt und vor Pasquillen ausieht, wenn ihm die Wahrheit unter einem versteckten Nahmen ohne persönliche Abschilderung seiner selbst gesagt wird, den wollen wir hier nicht widerlegen. Er darf keine Geschichte mehr lesen, wo er sich alle Augenblicke selbst finden wird: denn so gar wenn Alexander, der doch lo sehr von ihm unterschieden ist, eine Verwegenheit begeht, oder sich im Trunk oder Zorn übereilt, wird er an sich und seine Vergehungen , auch oft wider Willen denken müssen. Und doch hat der Geschichtschreiber den Leser eben so wenig gekannt, als der Verfasser mancher Satire diejenige Personen auf die sie gedeutet wird. Wer diese Wahrheiten nicht leiden kann, der darffreylich in kein Schauspiel gehen; er darf aber auch so gar keine Predigt mehr besuchen. Nach dem was ich soeben angeführt habe, kann man mit Recht behaupten , daß gute Schauspiele eine Schule so wohl vor Vornehme als Geringere seyen, in welcher man vie meiste Gelegenheit findet, ihnen nützliche Wahrheiten beyzubringen, da es auf eine andre Art entweder zu gefährlich ist, oder die Wahrheiten
& nicht


