Ausgabe 
16.1.1770
 
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L L Gicfflsche wöchentliche Femeüniützige Anzeigen nnd wenden mit Dankbarkeit ein Mittel an, welches der Höchsts hakens decken lassen, und von dem wir gehöret, daß es schon so vielen tausenden das Leben gerettet habe. Ja wir haben Ursache, wenn jemand an den ge­wöhnlichen Pocken stirbt, uns ein Gewissen zu machen , daß wir die Hülfe versäumet und verachtet haben, wodurch er hatte erhalten werden können.

Es sey uns erlaubt ein Gleichnuß des fürtreflichen Tissots anzufuh­ren, worinn er alle diese Gründe zusammen faßt. Em unwiderruflich Schicksal zwingt alle Einwohner eines Landes, einmal in ihrem Leben über ein sehr schmales Brett zu gehen; worunter ein tiefer reißender und unge- stümmer Strohm hinfließt. Die Erfahrung von zehn Jahrhunderten hat gelehrt, daß von zehn Personen, die hinüber gehen, wenigstens eine hin­unter fällt und ertrinkt; ohne einmal von denjenigen zu reden, die herun­ter fallen und gerettet werden könnten, die aber weil sie sich an den Fel­sen, die mitten im Strohm sind, beschädigt haben, ihre ganz- Lebens­zeit Schwachheiten behalten, die ihnen das Schicksal der ertrunkenen be- neidenswerth machen. Dieselbigen Beobachtungen, die die Gefahr dieses Uebergangs bewiesen haben, haben auch die Ursachen, die ihn so gefährd lich machen, zu erkennen gegeben. Man hat gesehen daß viele herab fie­len, weil sie sich fürchteten zu fallen; andere weit sie zu schwer waren und dem Brett einen falschen Schwung gaben; die dritten , weil sie unter­wegs von einem Schwindel, einer -Ohnmacht, oder einem Anfall vom bösen Wesen angegriffen wurden; die vierten, weil das Brett mit Eiß bedeckt wäre; die fünften wurden durch einen gewaltigen Sturmwind nie- dergeworfen; etliche büßeten ihr Lebenein, weil sie diese Reise bey Nacht­zeit unternommenchatten; viele schwangere Frauen fielen herunter, weites ihnen schwer war ihren Körper im Gleichgewicht zu erhalten, und den Ort zu sehen wo sie ihren Fuß hinsetzen sollten; eine große Menge wurde ein Schlachtopfer der Rathschläge solcher Leute, die wohl eine gute Absicht haben mochten, die aber von der Sache nicht recht unterrichtet waren, dergleichen es leyder so viele giebt.

Es dachte jemand dieser Sache reiflich nach, und sagte, weil doch der Uebergang nicht durch eine unvermeidliche Nothwendigkeit den Tod dringt, sondern nurzufällige Umstände denselbigen so gefährlich machen, weil wir doch alle hinüber müssen, und wenn wir einmal hinüber gegan­gen, selten zum andernmal hinüber gehen dürfen, so laßt uns ausmachen, daß ein jeder in einem Zeitpunkt hinüber gehe, der durch die Abwesenheit ' . aller