10 Gressrsche wöchentliche tzcnwr'rmützr'ge Anzeigen
Manches hat er nöthig zum Verstand guter Schriftsteller: Manches braucht er so gar in Geschäften. Er unterscheidet allenthalben die Hauptsachen vsn den Nebensachen. Er widmet den erstem den meisten Fleiß: Er verachtet die andern aber nicht gänzlich: sondern nimmt so viel davon mit, als ihm seine Umstände erlauben. Nichts vor sich betrachtet, ist in der Welt eure Kleinigkeit: sondern alles hängt von den Umständen ad, worinnen sich diese oder jene Personen befinden. Nach diesen beurtheilt er den Werth der Dinge, und er verachtet den Archivarius mit feinen Do- cumenten eben so wenig, als den, der die Seltenheiten der Natur merkwürdig findet. Er weiß daß zu einem vollständigen Gebäude gar man» cherley Theile erforderlich sind, und daß so gar diejenige, die man am meisten zu verdecken sucht, daß sie nicht so sehr in die Augen fallen, gerad am unentbehrlichsten sind. Er übersieht das Ganze: Alles was dir Men fchen zur Beförderung des allgemeinen Wohls in bürgerlichen Gesellschaften, oder zur Umkehrung des Staats vorgenommen haben, alles wozu sie Jrrthum und Aberglauben und der Schein der Religion verführt oder die Gewalt der Wahrheit gebracht hat, alle ihre Bemühungen in den mancherlei)Künsten und Wissenschaften, ihre Tugenden, Laster, Klugheit, List, Sitten, Gewohnheiten, Gesetze, Leidenschaften und Ausschweifungen, weiches alles nach den mancherley Nationen und den verschiednen Abwechselungen der Zeiten , unterschiedne Gestalten und Wendungen an sich genommen hat; alles dieses, sage ich, ist ihm in gleichem Grad merkwürdig. Vornehmlich sucht er aus der Geschichte nicht bloß den Eroberer, Regenten, und Staatsmann, sondern den Menschen überhaupt kennen zu lernen. Er macht sich nicht bloß mit den Sitten und dcrVersas. sung einer einzigen Nation zu thun: sondern, ob er gleich den meisten Fleiß auf die Geschichte seines Vatkerlandes wendet, so sucht er sich doch eben so wohl mit dem Geist aller Nationen unter allen Himmels Strichen bekannt zu machen: und selbst die Merkwürdigkeiten der Natur sind (einer Achtsamkeit nicht unwürdig, zumahl wenn ihr Einfluß auf den Menschen sehr merklich ist. Er ließt eine Geschichte der Asten beynahe mit eben dem Vergnügen, als die Geschichte der fast überklugen Chineser: und wenn er diese poffirli'che Geschöpfe mit dem Menschen welcher immer der letzte Endzweck seines Studierens ist, vergleicht, so findet er immer so viel daraus zu lernen, daß er hinlänglich vor seine Mühe belohnt wird» Vor ihm liegt der ganze Erdboden und das ganze menschliche Geschlecht aufgedeckt und enthüllt. Er dringt vermittelst ihrer Handlungen biß in
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