Ausgabe 
11.12.1770
 
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spiele aus? Ihre Art ist unbestimmt, der spielende kann nicht wissen, wie viel er gewinnen oder verlieren kann, er kann also nicht wissen, ob der Aus­schlag der Karte oder des Würfels seinen oder des andern Wohlstand ver­letze. Nach der Vernunft zu urtheilen, wann man die Sache überhaupt ansieht, kann ein solches Spiet nicht erlaubt sevn, es seye dann so be­stimmt daß der Verlust eine gewisse Summe nicht übersteigen kann: nach der Erfahrung aber zu urtheilen, wird dieses sehr selten in den Schran­ken bleiben. Leander begibt sich in ein Spiel in der Meynung, wann eS unglücklich ausfalle nur einen Dukaten zu verlieren. Er hoffet aber diese- nicht. Seine Erwartung ist getäuscht, der Dukat ist geschwinder verroh­ren, alS er eS sich vermuthete. Er wird erhitzt. Eine Harfe, denkt er, kann dieses wieder bringen. Er wagt noch etwas. 2i*d) dieses geht ver- lohren. Sollte er noch dieses zusetzen, zu dem was er im unglücklichsten Fall verlieren wollte Es ist mehr geschehen, daß ein verdoppelter Satz allen Schaven ersetzet hat Er wagt noch einmal - - und ist tben so unglücklich wir zuror. Sein Blut geräth immer mehr in Wallung, und er vergißt sich ganz, spielt ohne Überlegung, und geräth ins Verderben. Auf diese Art hat mancher sein eigenes und überdiefes das ihm anverttaute Vermögen verlohren. Wird man wohl glauben, daß dieses mit Ueberle- gung geschehen? Nein, sein Gemüth geriethe in Verwirrung und er han­delte als ein Betrunckener. GewiS es gehört unter die löblichsten Ver­ordnungen in einem Staat, solche Gelegenheiten wodurch viele in ihr Verderben gerennet sind, wegzuschaffen. Man muß den Menschen be­trachten wie er ist, und ihm die Gelegenheiten rauben, welche ihn verleiten die Grundsätze der gesunden Vernunft auf die Seite zu setzen.

Wir betrachteten nur noch das Spiel wann der Gewinnst als die Hauptabsicht dabey statt findet, und haben bis dahin auf nichts weiter un­ser Augenmerk gerichtet als die Handlung äuserlich zu beurtheilen. wie ist/ davon ist nun die Frage, nun die Sittlichkeit der Absicht be­schaffen/ welche nur den Gewrnn vor Augen hat ? Alsdann stehet man das Spiel an als ein Mittel feine Vollkommenheiten zu erhalten oder zu vermehren. Kann man kein anderes Mittel haben, so ist man sehr be- daurenswürdig , daß man seinen Unterhalt Karten und Würfel anvertrau­en muß. Wer wird auch einen solchen Menschen nicht mit einer gewissen Arc von Abscheu oder Mltleiden ansehen. Ist es gar ein Mittel sein Ver­wögen zu vermehren, so wird ein ehelichender Mensch lieber mit dem Sei.

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