Ausgabe 
8.5.1770
 
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«nb Nachrichten- *4?

qu »>m inner» Vollkommenheiten gehöret die Ausbesserung unftrS Verstandes, Willen« und Herzens. Hierin» kann uns von aussen sehr wenig Eintrag geschehen: wir können also, wo wir richtig denken, selten m diesem Betracht von einem Affekt überrascht werden. Das Gute und ^e von diesen Seiten rühret meistentheils her von uns leidsten, und ist entweder eine Belohnung oder eine Bestrafung unserer Handlungen.-

Würde man in Erwägung de« Guten und Bösen hier stebev blei­ben und zu rechter Zeit anfangen, so würde man nicht viel Ursache haben über die Ausschweifung der Affekten zu klagen. SempronmS merkt den WachSthum seiner Wissenschaften und freuet sich»und diese Freude muntert ibn aus zu mehrerem Fleiß. Titius wird auf einmal seine Schwache in denselben gewahr, und empfindet mit Verdrus über stch ftlbsten , daß er von Sempronio übertroffen wird. Er nimmt stch vor steistger zu seyn, und das versäumte einjubringen- Beyden werden diese Affekten heilsam.

qu den inner« Vollkommenheiten gehöret noch da«, was in die Erhaltung unseres Lebens, Gesundheit u. d. gl. einen Emfluß hat. Hier kommen allerdings unvermuthele Gegenstände der Affekten. Diese sind zu bezähmen, und wir werden hiervon im folgenden Die üregeln angeben.

qu dm äusern Vollkommenheiten gehöret Reichthum und dufete ehre. Man lerne nur diese recht schätzen- Man erwäge daß beyde meh. rere Verbindlichkeit aufregen, und eine Gelegenheit zu mehreren Versu- chuna-n sind, solche au« den Augen zu setzen, und die Tugend zu verle« fon- man erwäge daß nichts eine wahre ausere Ehre >eye, was sich nicht aus unsere wahre Vollkommenheiten beziehe, so wird man stch manches Verdrußes, mancher Traurigkeit überhe den, wann hier em Eintrag ge- schiehet.

Bleiben aber die Menschen nur bey der Betrachtung dessen was fich auf sie wahrhaftig auf ihre, entweder innere oder ausere, Vollkommen­heit deichet, so würden sie sich von esim Menge Affekten ftey erhalten, in diestesich durch Ausschweifung ihm Begierden verwickeln. Lucindewird bös über das schöne Kleid da« Sophronia trägt. Warum dieses? ES ha-das an und für keine Beziehung auf ste. Sie kann bey dem alle« gefund, tugendhaft, gechttl, reich und geputzt seyn. Sie ist aber gewohnt

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