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Klwz man kennt d-S ganz« Land nicht genug, und ist jenem Franzosen ähnlich, der um die deutsche Sprache ZU erlernen/ sich aus seinem Vaterlande begab/ und zuerst in die Schweiz gerieth. Ratürlicherweife muste sein Eifer vor unsre Sprache gar bald Nachlassen , da er nichts alS p,e rauhe Aussprache und das grobe Gegurgel der Schweizer zu hö- NN bekam. Warum gieng er nicht sogleich nach Sachsens
Der Fehler von einem einzelnen Fall auf das allgemeine zu schliessen, und eine ganze Wissenschaft zu verachten/ weil uns etwa eine oder die andre Materie entbehrlich oder nicht nach unserm Gefchmak ist/ ist so einleuchtend/ daß es ganz unverzeihlich ist/ wenn insonderheit Gelehrte in densek- bigen verfallen. Man muß »wissen/ daß die Absicht der schönen Wissen- fch-sten darinnen besteht, unfern übrigen Kenntnissen eine gewisse Anmuth zu ertheilen/ wichtige Wahrheiten anständig einzukleiden, und ihnen eben dadurch mehr Eingang zu verschaffen; daß alle einzelne Wahrheiten so wohl als ganze Wissenschaften diesen Schmuk vertragen können/ und nicht dadurch geschändet werden; daß Weltweisheit/ Geschichte und höhere Wissenschaften mit einer schönen Schreibart, so wenig auch solches unter unS Deutschen gewöhnlich ist, verbunden werden können; und unendlich viele Leute, die noch nicht mit Vorurthcilen eingenommen find oder deren natürliche Empfindung, die bey dm wenigsten ursprünglich ganz fehlt/ noch nicht vertrocknet ifb Wahrheiten weit leichter fassen, und weit stärker behalten , wenn sie ihnen in einem gewissen Anzüge erscheinen, der bey dem ersten Anblik Eindruk macht.
Hierzu ist nicht genug ein oder die andere ArtdesVortragszu kennen. Mau muß die Dichtkunst und welches noch weit wichtiger ist, die Redekunst m ihrem ganzen Umfange übersehen. Man mus wissen wie man ernsthafte, und wie man scherzhafte Materien einkleidet/ daß man anders in der Erzsh- tung einer Geschichte, anderst in der Entwickelung einer allgemeinen Wahrheit verfahrt, daß ein Brief anders eingerichtet werden muß, als eine förmliche Rede, daß «in geisibcher Redner einen ganz andern Ton annehmen muß, als ein Satirersschreiber, der durch lachen die Wahrheit sagen und bessern will, daß bald diese bald jene Schreibart ihre gute Dienste thut, le nachdem es die Sache, di« Person des Redenden, und der Zuhörer erfordert, und daß keine einzige Gattung derselben, so gering sie auch schein neu möchte , ohne allen Rufzen sey. Die Gemüther der Menschen sind auf eine unbeschreibliche Art abgeandert, was dem einen gering vorkommt, das HÄr der vor erheblich r den einen reizt ein kleiner netter Fus,
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