Ausgabe 
1.8.1769
 
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278 Giessrsche wccheMl'ch-Zcmcirrttütztze Anzeigen

aber wenn sie ganz ungezwungen, in einer gebundenen Rede, nur sließend übersezt hatten. Wenn sie alS Dichter, und nicht als bloße Ueberfezzer, fs viel es ihnen nur möglichgewesen wäre, die Schönheiten ih­res Originals, und die.dafür erkannt werden- genau ausgedrükc hatten, und wo es ihnen unmöglich gewesen wäre, sich so genau an ihre Urschrift zu halten, nui wenigstens gesucht hätten die verloren gegangnm Schön­heiten durch neue, die eben so sehr einnehmen, zu ersezzen, und ihre Leser schadlos zu halten. So ost es geschehen kann; so oft sollte man auch bil­lig bey seiner Uebersezzung ein und eben daffelbige Silbenmaß seiner Urschrift behalten. Dies hält freilich schon schwerer, und fordek ein ganz besonders Genie. Ramler hat es, und hat durch seine Uebersezzung verschiedener Ho- razzischer Oden glücklich gezeigt. Mein vor ihm hat es auch noch keiner gewagt, und nach ihm werden es viele vergeblich versuchen.

Der Nuzzen von dergleichen Uebersezzungen ist ganz augenscheinlich. Wie viele giebt es, und insbesondre vom schönen Geschlecht', denen wir immer einen Horaz, Virgil, Ovid loben, und anpreisen. Sie haben ein sehnliches Verlangen mit ihnen bekannter zu werden. Weil sie aber ihre Sprache nicht lernen; so werden sie es niemals. Durch eine gute poetische Uebersezzung könnte ihnen geholfen werden, und sie könnten zu ihrem grö- sten Vergnügen ihre edelsten Wünsche erfüllt sehen.

. - Es können aber auch solche Uebersezzungen gar vieles mit zur Ver­besserung des Geschmacks unserer siudirenden Jugend beytragen. Sie sind Von den römischen Dichtem eingenommen, und oft ehe sie vieselbigen noch krnnen. Sie sind von der grösten Begierde entflammt sie xecht kennew zu kernen. Sre lassen sich vieselbigen übersehen und erklären. Erklättund übersezt man fieibiien nun so, wie es gewöhnlich geschieht r so lernen sie nie ächte Schönheit^, und ihren waren Wert kennen: sie bedaur n Hre Muhe, die sie darauf verwenden; sie werden nur gar zu leicht davon abge chrekt; und das,was sie für das liebenswürdigste an ihnen würden gehalten haben, wenn es ihnen nicht auf eine gemeine und schlechte Are wa^e bekannt gemacht worden, fängt an in tym Augen bald gar ve. achtlrch . zu werden. y w

Freilich muß man junge Leute zuerst so in die Bekanntschaft nvt Dichtern des Alterthums bringen, daß man sie ihnen leicht und unae-

Die poetischen Redensarten , ihre £ ., und ihre innere Schönheiten enrwikkelt. NachgehendS qb^r, um rhr Verlangen aufs neue zu erwekken, und um es

dahin