«o* Gr'eflrsche MöchMIlich -gemeittttötzize Anzeigen

Es ist wahr, in manchch Fällen fami die Feindschaft anderer nicht vermieden werden, ohne Antheil am Laster zu nehmen ; aber alsdenn ist es die Feindschaft derjenigen, mit denen weder die Tugend , noch die Weisheit verbunden zu seyn wünschen kann. Ueberhaupt muß die gute Lebensart auf billigere und tugendhaftere Bedingungen ausgeübt wer­den, als der Beifall, und die Zufriedenheit ist, die man gegen die Ver- läumdung der Bosheit, oder gegen die Schmeicheiey der Niederträchtig­keit, gegen die schmutzigen Einfälle des Wollüstlings, oder gegen dieGot, teslästerung des Spötters bezeigt. Unangenehme Wahrheiten mögen un­terdrückt werden: und wenn man sie ohne sich, schuldig zu machen, unter­drücken kann, so ist es Verbrechen, sie auszusagen; die Prahlerei) der Ei­telkeit soll man ertragen ohne bitteru Tadel, und das Geschwätz der Al­bernheit anhören, ohne Ausdrücke der Verachtung.

Es ist in der That eine traurige Erfahrung , die man oft bestättigt findet, daß die Ausübung der guten Lebensart durch den Besitz wichtigerer Talente verdrungen wird, und daß eine grose Rechtschaffenheit, Zärtlichkeit, Empfindung, und Witz, ein erhabenes Genie und ausgebreitete Gelehr­samkeit die Menschen gemeiniglich ungesittet macht.

Petrarch erzählt folgendes von seinem bewundernswürdigen Freun­de und Zeitgenossin, Dames Mghen/ einem der erhabensten und origi- velsten Genien, die jemals erschienen sind. Da er sich nemlich, auS seinem Vaterland vertrieben, an den Hof eines Prinzen begeben hatte, der da­mals die Freistadt der Unglücklichen war, so war er Anfangs in groser Hochachtung daselbst; allein durch seine strenge und ernsthafte Sitten, und durch die Freyheit seiner Reden wurde er seinem Gönner täglich unange­nehmer. An eben dem Hofe befanden sich viele Comödianten, Hofnarrn, Spieler, und Wollüstlinge; und einer von denselben, der sich wegen seiner Unverschämtheit, wegen seinen Zoten und Unfiätereyen besonders aus­zeichnete, wurde von den übrigen sehr geliebt und verehrt. Der Prinz, welcher vermuthete, daß Dames mit diesem Menschen nicht zufrieden wä­re, befahl daß man denselben vor ihn bringen sollte; und nachdem er ihn sehr erhoben hatte, so wandte er sich zu dem Dames, und sagte!Ich wundre mich, daß diese Person, die von einigen für einen Narrn, von ii andern gar für rasind gehakten wird, doch so allgemeinen Beyfall erlan- ,, gen, und so allgemein beliebt seyn kann; da ihr, der ihr wegen eurer r, Weisheit überall bekannt seyd, doch ohneVergnügen gehört, und ohne ii Freundschaft gerühmt werdet. Sil würden gufhören sich zu wun­dern,