Ausgabe 
9.8.1768
 
Einzelbild herunterladen

Mid rudyddstm« M

Stteichen zu übernehmen. Es würde'ihm nichts schaden , und viel» mehr nutzen; aber daS weiß Thomas nicht, weil er es noch nicht versucht Hatter bildet sich nur em , daß der Tod damit verknüpft wäre, und ehe er, so viel wagt, lieber wagt er nichts, rmd bleibt in seinem traurGen Ker» ßer eingeschloffen. Er nimmt die bittersten Arzneyen mit vieler Mühe und Wi­derwillen ein, und könnte die herrlichsten Gerichte geniessen; er kneipt die Na» je zu, und halt den Athem, um eine Mixtur hinunter zu bringen, die erbärmlich schmeckt, und ihn erst krank macht; da er Acht und vierziger Rheinwein trinken könnte, der ihn stark und gesund machenwürde. Wie vergnüg^ könnte sich Thomas feine Tage machen und wie elend bringt er sein Le» den zu? Er lasse feine Einbildung fahren , und untersuche seine Kräfte, die er am besten fühlen muß (wenn er nicht eingenommen ist) wie stark sie sind; er bilde sich ein, er sey gesünder , als er wirklich ist, nm das zu wagen, wofür sich so sehr fürchtet, und weiches doch allein im @an* de ist, ihn seinen falschen.,Gedanken zu überzeugen , hauptsächlich fite» de er alle Leute , die ihres Vortheils wegen ihn in solchen Gedan­ken zu erhalten suchen ; so wird sich seine Einbildung verlieren, und Yann ist er gesund, und glücklich. M

Wie mancher Gelehrte, der einen grosen Namen zu erlangen, und weltberühmt zu werden sucht , wird an sich sein eigner Henker, schadet sich ON seiner Gesundheit und dem Vergnügen des Lebens, bloS durch bi< Ein­bildung, daß er nicht so berühmt sey , als er seyn sollte, oder zu ftvn wünschte. Hier sey es ihm erlaubt eine hohe Einbildung von sich selbst zu haben, weil er dadurch bey gutem Wohlseyn bleibet. Alles was ihm als­dann begegnet, und wenn es seinem Ruhme ganz zuwider scheinen sollte, wird ihn nicht rühren, weil er es auf die vortheilhafteste Art auszulegeu wisse» wird; Entweder ist eS Dummheit, oder Neid, oder Verläumdung, oder was er will; aber gewiß nichts, das ihm schaden könnte, weit fein Ruhm ausgemacht ist. Ist er in der entgegengesetzten Einbildung von sich, und glaubt er, daß et keine Eigenschaften besitze, dadurch er sich Ruhm zu er­langen versprechen könnte; und hat doch die unwiderstehliche Begierde nach demselben: so wird ihn diese schlechte Einbildung, die er von sich selbst hat, -ttzerrer zu stehn kommen. Alles, was mrr einigen Anschein zur Verkleine» suntz seines wehrten Namens hat, wird ihn aufs äusserste erschrecken, m Furcht setzen, erzürnen, in Verzweiflung bringen, oder wohl, wenn es zu arg kömmt, auf der Stelle tödten. Viele werden wissen, daß in diesem Zahrhutzderte em teurscher Gelehrter, der indieGottfchedische Unruhen ver-