7§ Mesrsche woMütÜch- Arckerttügtzige Anzergm
m beMck^n, uüd'fühlen tverden , wo sie es an treffen; eine reiche Quelle VeS edelsten Vergnügens in allen Scenen des menschlichen Lebens!
ES kommt also alles auf die Erziehung dn: und weil diese in Absicht auf die schönen Wissenschaften fast durchgehends versäumt wird, so ist es gar wohl zu begreiOn, warum es so viel Leute giedt, die dey den grösten Meisterstücken des Witzes kalt und unempfindlich bleiben, und daß so gar Leute, die die Gelehrsamkeit zu dem Endzweck ihres Lebens bestimmt haben, daß dieses solche Leute für keine grobe Unwissenheit halten? Der Fehler liegt vornehmlich an den Schulen. Denn die meisten, welche zu lesen pfiegen , haben gemeiniglich einige Zeit über, wenn sie auch gleich sticht förmlich studirt haben, doch die Schulen besucht.
Wenn man die Schulen so obenhin betrachtet, so sollte man glauben, daß Leute die mit den grösten Meistern des Altetthums, und unter diesen wenigstens mit dem Cicero und Virgil oft zehn Jahr lang unterhalten werden, Gelegenheit genug hatten ihren Geschmack zu bilden. Allein man betrügt sich. Diese grosen Geister werden von den wenigsten Lehrern verstanden. Worte, Redensarten, Gebrauche, und andre Kleinigkeiten, die zwar vor sich selbst höchst wichtig sind,' aber noch lange nicht dasHaupt- werck ausmachen, werden mit vieler Weitlüuftigkeit und Strenge eingepredigt. Wenn es hoch kommt, so wird noch aus einer alten Schulrhe« thorick ein mageres Register von Tropen .und Figuren hinzugefügt, die fast durchgehends auswendig gekernt, aber selten erklärt werden. Leute, welche den Geschmack ihrer Untergebnen bilden sollen, müssen äusser einer gefunden Weltweisheit, eine hinlängliche Theorie der schönen Wissenschaften besitzen, in den besten Mustern der berühmtesten Nationen alter und neuer Zeiten belesen seyn, und selbst ein glückliches Gedächtnis und wenigstens einen mit# telmäflgen Witz haben, um sich bey aller Gelegenheit auf ähnliche Fälle Md Beyspiele zu ihren Regeln besinnen zu können. Kurtz sie müssen selbst einen ausgebildeten Geschmack haben, und ihren Schülern den -Ovid, wie Leßmg sagt, nicht erklären wollenden sie selbst nicht verstehn.
.Hernach ist dieses ein durchgängiger Fehler, daß man, um den Geschmack junger Leute zu bilden, den Anfang mit einem fremden Schriftsteller zumahl aus dem Alterthum macht. Es wird allzuviel Kentniß der Sprache, der Historie, der Akterthümer, und hundert andere Kleinigkeit! leiten vorausgesetzt, um das schöne und die einzelnen feinen Züge in ihrer gehörigen Stärke zu empfinden. Warum giebt man jungen Leuten nicht zuvor die berühmtesten Schriftsteller ihrer eignen Spräche m dieHand ? da ihnen die-


