Ausgabe 
8.9.1767
 
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LZZ Mestsche wockemlich- AemeittirätziZe Anzeigett

und ohne thätiges Mill.iden vorüber gehen, sehe; dann fang ich beynahe an zu zweifeln; ob der erstere auch noch das letztere für ein Geschöpf von seiner Art ansicht. Man kann, ein solches mitleidsloses Herz zu beschämen, nichts nachdrücklichers sagen, als was der Zuschauer davon gesagt hat. Er tzricht: Ein Mensch, welcher dasjenige besitzt, was ihm von Natur fehlt und gegen das nothleidende Elend andrer Menschen unbarmherzig ist, verräth eben die verfluchte Gemüthsart, die der Kerl hatte, welcher von einem Schiffe, das an einem Felsen in Westen strandete, entfloh und sich mit dem Landvolke vereinigte, seine Gefährten auf dem Schiffe zu vertil­gen und das Schiff auszuplündern. Es ist mir leid , daß ich bei) dieser schönen Gelegenheit von einer so wichtigen Materie jetzt nicht mehr sagen kann. Ich will ihr vielleicht mit nächstem eine eigne Betrachtung widmen.

No. n. Dieses Bild stellt einen Richter vor mit einem grosen Stoß Men in der Hand und einer Mine, die die Fällung eines wichtigen Ur- theils prophezeiet. Nicht weit von ihm stehn einige Männer, denen man an ihren feindseeligen Geberden ansieht, daß sie in einen Rechtsstreit ver­wickelt sind. Einer derselben drückt einem Frauenzimmer, das sich in der Stube befindet, einen Ring in die Hand, dec andre aberläßt einige Gold­stücke fallen, welche ein Knabe, der auf einem Steckenpferd reutet, hm- wegnimmt. Unter dem Gemälde stehen mit alter Schrift die Worte:

Munera, crede mibi, placant bominesque deosque;

Nummus ubi loquituv, 7ullius ipfi tacet.

Zu meiner Freude schien das ganze Gemälde sehr alt zu seyn. Denn der Richter, das Frauenzimmer und alle übrige Personen waren sehr alt­väterisch und auf die Art gekleidet, wie man sich im izten Jahrhundert zu tragen pflegte.

No. i r. Der ehrliche Mann.

Ein ganz vortrefliches Bild. Ich war entzückt, als ich es erblick­te. Nur Schade, daß ich meinen Lesern keine vollkommne Beschreibung davon mittheilen kann. Ich hatte kaum angesangen, es in meiner Schreibtafel abzuzeichnen; so wurde ich von einem ziemlich starken Regen daran verhindert. Und weil ich nicht gern naß werde, so

suchte ich mich in eine.m nahgelegenen Gartenhäusgen für dem Regen in Sicherheit zu setzen. Ich mußte also wider meinen Willen die­sen lehrreichen Raritäten Kasten verlassen, nahm mir aber doch vor, ihn gleich nachdem Regen wieder zu besuchen. Allein ich erschrack nicht we­nig , als ich wieder an den Ort kam und meinen Savoyarden nicht mehr fand. Ich fragte einige Leute, die nicht weit von seinem Stande feil hiel­ten!