Ausgabe 
8.9.1767
 
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ttnd Nachrichten.

fiaünke, und sah mich aus eine sehr angenehme Weise betrogen Ich er­blickte Urtheile über die Handlungen der Menschen, die nicht ganz schleche ausgedruckt warm. Die Kupferstiche musten wohl berühmte Künstler zu Erfindern gehabt haben. Ich sah die Thoren auf eine ganz unbeschreiblich lächerliche Art vorgestellt, so wie mir im Gegentheil der weise und vernünf­tige Menst!) in seinem ganzen Glanze erschien.

Es war mir nicht schwer, bey dem ersten Anblicke die Ursache zu ent­decken, warum der Kasten meines Savoyarden so wenig Beyfall fand« Die menschlichen Thorheiten waren sehr kenntlich darin abgebildet, und viel­leicht hatten die meisten ihr eigen Bild darin erblickt. Welcher Thor aber kann sein Bild vertragen! Wenn er eS nur von weitem gewahr wird; so erschrickt er schon: was soll er erst thun, wenn er es in der Nähe -sicht'? Bey meinem Savoyarden gab ich dieses als die einzige Ursache seiner Ver­achtung an; und sie gefiel ihm. Hier aber kann ich meine Meinung schon etwas freyer heraus sagen, die ich ihm mit Fleiß verschwieg, weil ich ihn vielleicht dadurch betrübt und mir wohl gar seinen Haß und feine Verachtung zugezogen haben würde. Denn auch arme und niedrigere Leute muß man nicht betrüben noch sich, so wenig sich auch mancher vornehmer Narr an diese Pflicht der Menschenliebe kehrt, durch irgend eine Handlung bey ihnen verhaßt machen. Ich glaube nämlich, die vornehmste Ursache, warum seinem Kasten aller Beyfall versagt wurde, lag fn den vielen lateinischen und französischen Überschriften über seinen Gemälden und Kupferstichen, wel­che die meisten Zuschauer nicht verstunden, und ohne welche vielleicht die allerwenigsten den Endzweck der abgebildeten Sache, so deutlich sie auch ausgedruckt war, würden errathen haben.

Weil ich, seitdem ich der Verfasser dieses Wochenblats bin, bey al­len Begebenheiten und Verrichtungen, die mir vorfallen, auch zugleich an meine Leser denke, und sorgfältig überlege, ob es nicht vielleicht von eini­gem Nutzen seyn möchte, wenn ich mich mit ihnen davon unterredete; so hrbe ich mir angewühnt, immer eine Schreibkafel bey mir zu führen, worinn ich das merkwürdigste, das mir vorkommt, aufzoichnen kann. Auf mein Gedächtnis kann ich mich gar nicht verlassen, und wenn ich meine Schreibtafel nicht bey mir gehabt hätte; so wüßte ich vielleicht auch anitzt keine Wort mehr von den lehrreichen Bildern zu sagen, die ich in diesem mora­lischen Raritäten Kasten erblickt habe. Zum Glück aber hatte ich dismal meine treue Begleiterin mit mir genommen, durch deren Hülfe ich setzt auch allein im Stande bin, meinen Lesern von allem, was ich gesehen ha­be, Rechenschaft zu geben- Ich habe alles sorgfältig ausgeschrieben und