Ausgabe 
6.10.1767
 
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Nttd L7ächtt'chtett. Z17

Der Herr Verfasser des nachstehenden Briefs mag das Lob, das er unsrer Schilderung gütigst ertheilt hat,verantworten. Wir tbun frevwilligen Verzicht darauf. Sollte es übrigens dem Herrn Verfasser gefallen, uns künf­tig mit seinen Zuschriften zu beehren; so ersuchen wir ihn zum voraus, uns entweder mit Lobeserhebungen zu verschonen, oder uns zu erlauben1, dass wir sie ausstreichen, damit der Verdachtem den wir vielleicht schon verschie- denemal gefallen sind, wegfallt, ajß wenn wir fremde Arbeiten ost nur wegen des erLobs hier emrückten.

rNeme Herren!

Niemahlen hat mich eines von ihren Blattern mehrvergnügk, als dasjenige was vor kurtzem eine so unvergleichliche Schilderung des Landlebens entbleite* Mein Spatziergang um unsere Stadt, und die wenige Aussicht von der Schoor rst schon hinreichend mir die ehedem in diesem Stück genossene Glückseeligke^t wieder vorzustellen: warum eine so schön geratene Schilde­rung nicht?

Damit aber meine Herren nicht glauben, als wenn ich nicht Ursach genug hatte aus jeder Erinnerung des Landlebens ein so besonderes Ver­gnügen zu schöpfen; so erlauben Sie mir meinen ehemaligen Auffenthalt zu beschreiben. Ich bin der erste nicht, den die Annehmlichkeiten derselben Gegend so starck eingenommen haben; ein noch jetzt lebender Gelehrter hat in einem Schreiben an einen guten Freund die Reizungen derselben gezeigt, und dieses Schreiben seiner Sammlung von Briefen einverleibt. Unsere Wohnung lag benebsi den Überbleibseln eines alten Schlostes auf einem ziemlichen Hügel; ein fruchtbares Thal umgäbe dessen grösten Theil und Vas grüne Gebüsche einer sanft steigenden Anhöhe, stieß auf der mitternächt­lichen Seite an denselben. Auf dieser Anhöhe erhob sich ein spitziger Fel­sen, zu dem man von unserer Wohnung ohne die geringste Beschwerlich­keit gelangen konnte; und dann sähe man in einen erstaunenden Abgrund hinab. Das grüne Gebüsche dieses tiefen Thals, dieneben demselben vor- beystreichende anmuthige Wiesen, und der an diese stoßende dickbelaubte Wald erregten ein schämendes Vergnügen bey jedem Zuschauer.

Auf der abendlichen Seite des Schlosses konnte man von hohen furchtbaren Felsen auf die Handlungen der Einwohner eines gantzen Dor­fes herab schauen bald wie der Landmann den Stier langsam vor sich her trieb: bald wie muntereBauersmadgen unter schweren Wen Gras die

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